Folge 9 - Wenn Herkunft Form annimmt

Shownotes

Wiktor Borowski ist weltweit als Galerist, Unternehmer und Glaskünstler tätig. In dieser Folge von „Rhein gehört“ erzählt er von seiner Kindheit im polnischen Krosno, einem Zentrum der Glasindustrie, und von seinem Weg nach Rheinbach. Im Alter von elf Jahren kam er mit seiner Familie aus Polen nach Deutschland. Nur wenige Tage später wurde er in Rheinbach eingeschult. Die herzliche Aufnahme in der Stadt und die ersten Jahre vor Ort haben ihn bis heute geprägt. Rheinbach ist für ihn eine zweite Heimat geblieben.

Im Gespräch berichtet Wiktor Borowski über das Aufwachsen in einer Künstlerfamilie und über die Arbeit seines Vaters Stanisław Borowski, der als bedeutender Vertreter der internationalen Studioglasbewegung gilt. Anlass des Gesprächs ist die Retrospektive im Glasmuseum Rheinbach, die einen umfassenden Einblick in das Werk des Künstlers gibt.

Außerdem erläutert Wiktor Borowski, wie sich aus den ersten Werkstätten in Rheinbach das Glasstudio Borowski entwickelte. Gemeinsam mit seinen Brüdern schuf er eine unverwechselbare Formsprache mit farbenfrohen Tiermotiven, die heute weltweit bekannt ist.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Kunstprojekt „Kunst findet Stadt“, bei dem Wiktor Borowski als Jurymitglied mitgewirkt hat. Er spricht über die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum, über Zugänglichkeit, Ästhetik und darüber, wie Kunst Menschen miteinander ins Gespräch bringen kann. Für ihn schafft Kunst neue Perspektiven und fördert Austausch, Toleranz und demokratisches Verständnis.

In dieser Folge erfahren Sie:
✅ Wie Wiktor Borowski als Kind nach Rheinbach kam
✅ Warum Rheinbach für ihn eine zweite Heimat ist
✅ Wie die Familie Borowski mit Glas arbeitet
✅ Was die Kunst von Stanisław Borowski auszeichnet
✅ Wie das Glasstudio Borowski entstanden ist
✅ Warum die Tiermotive weltweit wiedererkannt werden
✅ Welche Bedeutung Kunst im öffentlichen Raum hat
✅ Wie „Kunst findet Stadt“ entstanden ist
✅ Warum Kunst den gesellschaftlichen Dialog fördern kann
✅ Welche Wünsche Wiktor Borowski für Rheinbach hat

Transkript anzeigen

00:00:05:

00:00:21: Herzlich willkommen zu Reingehört, einer neuen Folge vom Podcast der Stadt Rheinbach.

00:00:27: Ich habe heute zu Gast Viktor Borowski.

00:00:31: herzlich willkommen!

00:00:32: Vielen Dank.

00:00:34: Ich stelle sie mal kurz vor.

00:00:36: Wiktor Borowski wurde im polnischen Krosno geboren, einem Zentrum der Glasindustrie.

00:00:42: Nach seinem Abitur im Jahr nineteen-zweiundneinzig gründete er direkt die Glasstudio Borowski GmbH und ist dort bis heute als Geschäftsführer tätig.

00:00:52: Seit rund sechzehn Jahren lebt und arbeitet er am Wintermühlenhof bei Königs Winter.

00:00:58: Dort betreibt er als Galerist neben dem Unternehmen, gemeinsam mit seiner Frau auch das Continuum Gallery.

00:01:06: Er

00:01:07: vermittelt und vertreibt weltweit die Werke seiner Familie und seine Leidenschaft gilt neben der Kunst – auch der Musik sowie klassischen Automobilen.

00:01:17: Eine prägende Zeit verbrachte er hier in Rheinbach.

00:01:20: im Alter von elf Jahren, kam er aus Polen hierhin und über Nacht veränderte sich sein Leben.

00:01:26: Vier Tage nach der Ankunft.

00:01:28: später wurde er eingeschult.

00:01:30: Alles war neu, keine sozialen Kontakte und in Erinnerung ist besonders geblieben die herzliche Aufnahme hier in der Stadt.

00:01:40: sehr prägend und trotz der quantitativ gemessen kurzen Zeit fühlen sie sich hier total zu Hause wenn Sie in die Stadt kommen.

00:01:53: Sie haben gesagt, als Kind war das eine neue Heimat hier direkt in Deutschland und ihr Lieblingsort ist die Hauptstraße.

00:02:02: Die Fachwerkhäuser und vor allem der Stadtpark ist voller Erinnerung.

00:02:07: Das ist richtig!

00:02:08: Habe ich gehört?

00:02:09: Ja,

00:02:09: das ist wirklich so.

00:02:11: Also es ist immer noch so.

00:02:12: Wenn ich jedes Mal wenn ich hier vom Meckenheim die Straße hier rein fahre... Ich weiß nicht woran das liegt.

00:02:20: Es ist einfach ne Zweite Heimat für mich geworden und ich freue, mich immer wieder in Rheinbach zu sein.

00:02:26: Schön!

00:02:27: Ja das ist ja auch gut dass wir das Studio hier in Rheinbach haben.

00:02:32: Und genau das waren jetzt so die Fakten.

00:02:38: aber jeder Gast hier im Podcast der wird mit ein paar entweder oder Fragen konfrontiert.

00:02:48: Es geht um schnelle Antworten, ich starte.

00:02:51: Ich werde nie mehr geben!

00:02:53: Ehrlich oder höflich?

00:02:56: Beides!

00:02:58: Buch- oder Film?

00:03:00: Im Film.

00:03:01: Abenteuer oder Sicherheit?

00:03:03: Abenteu.

00:03:05: Frühaufsteher oder Nachtäule?

00:03:08: Nachtäude.

00:03:09: Draußen oder drinnen?

00:03:10: Draussen.

00:03:12: Werkstatt oder Galerie?

00:03:14: Beide.

00:03:16: Wo entstehen die besten Ideen, im Atelier allein oder im Austausch mit anderen?

00:03:21: Im Austausche mit anderen.

00:03:23: Familienbezug oder künstlerische Freiheit?

00:03:27: Wo

00:03:29: geht eine her bei mir?

00:03:31: Tradition oder Moderne?

00:03:34: Auch das ist etwas was

00:03:36: zu tun gehört.

00:03:37: nicht zu trennen

00:03:38: ist

00:03:39: Wahrscheinlich auch das Emotion oder Perfektion?

00:03:43: Emotion

00:03:45: Kunst erklären oder wirken lassen Wirken

00:03:47: lassen

00:03:48: Kunst im Museum oder Kunst mitten in der Stadt?

00:03:52: Mitten in die Stadt.

00:03:53: Das ist gut, da kommen wir nachher noch drauf und das war eine Frank-Frage!

00:03:58: Kleinstadt oder Großstadt?

00:03:59: Kleinstatt.

00:04:01: Schön.

00:04:03: Oder auf dem Land.

00:04:06: Ja ich habe mich natürlich im Vorfeld viel über sie gelesen und habe vor ein paar Jahren meinen Artikel zur Glasstadt Rheinbach geschrieben, als ich noch beim Generalanzeiger gearbeitet habe.

00:04:23: Und da ging es um die Gelinde Hopfinger, die in nineteen vierzig als dreizehnjährige zusammen mit ihrer Mutter, Großmutter und der Schwester im Rahmen der Umsiedlung aus Nordbömen Sudeten nach Kriegsende hierher kamen.

00:04:37: Sie erinnerte sich ein Leben lang an den herzlichen Empfang bei ihrer Ankunft.

00:04:42: Mit ihr kam das Glas hierher wie sich auch Fritz Berg Der Rheinbacher.

00:04:47: Fritz Berg an die Ankunft der Glasbläuser erinnerte.

00:04:51: Er starb ja im Alter von vierundachtzig Jahren, im Jahr zwei tausend achtzehn.

00:04:56: Das Glas war sein Glück hat er mir gesagt und beide gehörten zu den ersten Jahrgängen von Auszubildenden, die ihre Lehre in der nineteen vierzig gegründeten Glasfachschule begonnen haben und für die Glas ihr Leben war.

00:05:10: Die beiden fielen mehr ein, als ich mich gestern über sie eingelesen habe.

00:05:14: Ja

00:05:14: also Fritz Berg ist mir natürlich nicht nur im Begriff, sondern ich hab ihn persönlich kennengelernt.

00:05:19: Er hat sogar die ersten Stücke für uns, fürs Glasstudie-Borfs geschliffen und poliert weil wir noch keine eigene Poliermaschine hatten.

00:05:29: Also das ist etwas was wollte ich mich auch noch sehr gut daran erinnern.

00:05:35: mein Vater war sehr gut mit ihm befreundet

00:05:38: Und Sie sind ja einer echten Künstlerfamilie groß geworden.

00:05:43: Erinnern sie sich noch an Ihren ersten bewussten Kontakt mit Glas als Kunstform?

00:05:49: Oh, ja!

00:05:50: nicht nur als Kunstform, sondern auch am ersten Kontakt überhaupt mit Glas.

00:05:54: Denn normalerweise verbrennt man sich ja so die Hände wenn man zwei drei Jahre alt ist und irgendwie an den Herd der Mutter dran kommt in der Küche und ich die Fingerchen verbrenne.

00:06:05: Ich kann mich erinnern dass ich als ganz kleiner Junge in der Werkstatt meines Vaters in Krossner noch damals an die Glasweife gepackt habe, leider viel zu nahe wo sie noch sehr heiß war und mir da die Hände verbrannt hab.

00:06:19: Und dann hat man den Glasvirus glaube ich für immer drin.

00:06:23: so erkläre ich mir meine Passion für Glas das ist schon sehr früh bei mir eingeimpft wurde durch diese Verbrennungen an den Fingern aber es blieb.

00:06:31: Ich habe auch nie in Sandkasten gespielt oder Analysen bergen von Scherben um die Glaswerke herum aufgeschüttet wurden und wir spielten einfach immer mit diesen Scherben.

00:06:43: Und so erklär ich mir, wie gesagt meine Passion für Glas oder wie ich mit Glas in Berührung gekommen bin?

00:06:49: Ja sie sind ja auch noch ... Sie sind nicht nur Galerist sondern auch richtig am Glas tätig.

00:06:59: Man kann sich das so vorstellen, dass man in der Werkstatt des Vaters groß wird.

00:07:02: In der Garage?

00:07:03: Das fing in einer Garage an!

00:07:05: Wir fingen wirklich tatsächlich in eine Garage an damals noch in Polen später wie gesagt hier in Deutschland auch in Deutschland fingt das ja mit ne Garage an dann ne Doppelgarage und dann wurde es halt immer größer.

00:07:20: Ich kann nicht praktisch nur an Künstler erinnern, die meinen Vater besucht haben.

00:07:26: Die um bei uns zu Hause waren und somit war Kunst allgegenwärtig.

00:07:31: Für mich war das eine Selbstverständlichkeit auch zur Ausstellung mitgenommen zu werden genauso wie zur Konzertenmusik und ist eine große Passion sowohl von meinem Vater als auch von mir.

00:07:41: so gesehen war Kunst immer um uns herum und einfach so wie Luft zum Atmen immer da.

00:07:47: Das war nichts Besonderes für mich.

00:07:50: Wie war das als Sohn von Stanislav Borowski aufzuwachsen?

00:07:54: War das eher Druck oder Inspiration jetzt auch für Sie in Ihrer Karriereentwicklung?

00:08:02: Ich glaube, als Kind nimmt man das hier einfach natürlich auf.

00:08:06: Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht und ich habe natürlich gesehen dass bei anderen Familien der Vater um vier oder fünf nach Hause kommt.

00:08:12: mein Vater war ständig eigentlich bei der Arbeit.

00:08:15: Als feischaffender Künstler gab es eigentlich nie irgendwie Pausen oder irgendwas, wo er sagt so jetzt bin ich ja privat und kein Künstler.

00:08:23: Künstlern ist man einfach immer Und was ich allerdings gelernt habe Ist glaube ich so etwas wie eine Gelassenheit zu entwickeln.

00:08:32: auch Wie lebt man von Kunst?

00:08:34: Das ist nämlich auch eine große Sache dass viele künstler Einfach diese Angst haben.

00:08:42: kann Ich von meiner kunst leben?

00:08:45: das ist mir sehr viel genommen worden, weil ich gesehen habe dass es immer irgendwie weiter geht und von Ausstellung zur Ausstellung.

00:08:52: aber ich kann nicht tatsächlich wirklich an eine Situation erinnern.

00:08:56: Das war sehr, sehr früh hier in Weinbach.

00:08:58: da war ich glaube gerade zwölf also wirklich gerade ein paar Monate in Deutschland.

00:09:05: wir hatten ne Wohnung vor dem Träsartor oberhalb vom Optiker Köster der Familie und mein Vater sagte Zu uns beiden, mein junger Bruder war ja noch sehr klein.

00:09:20: Er war gerade ein Jahr alt.

00:09:21: Sie sind der mittlere?

00:09:22: Ich

00:09:22: bin da mittler.

00:09:23: Genau ich habe noch einen älteren Bruder.

00:09:25: Er sagte wir haben gerade noch fünf Mark im Haus und ich hab morgen eine große Ausstellung.

00:09:32: Ich hoffe dass dort was verkauft wird.

00:09:34: wenn nicht dann kann es schwierig werden.

00:09:36: das könnte sogar sein dass wir vielleicht zurück nach Poln müssen.

00:09:42: Er wollte uns damit keine Angst machen, sondern irgendwo einfach ehrlich sagen wie sie Situation ist.

00:09:48: Ich meine wir hatten riesen Glück.

00:09:49: am nächsten Tag war diese Ausstellung und die war ausverkauft.

00:09:52: also er sagte danach irgendwie jetzt haben wir Geld um ein Jahr hier leben zu können.

00:09:58: aber aus dieser Erfahrung habe ich etwas gelernt was mich bis heute prägt dass sich niemals Panik entwickeln, wenn mal irgendwie die Geschäfte sich vielleicht nicht so entwickeln wie man sie wünscht.

00:10:11: Sondern dass es irgendwo immer weitergeht ist immer irgendwie der eine Tür schließt, sich eine andere öffnet.

00:10:17: und ich habe viel mit Freunden, meine Frau kommt zum Beispiel aus einem Haus war ganz normal jeden Monat der Lohn nach Hause gebracht wurde, das wurde bei uns nie.

00:10:29: Es ging trotzdem eher irgendwo und dadurch entwickelt man die Gelassenheit.

00:10:33: Und Vertrauen wahrscheinlich auch?

00:10:35: Also das ist

00:10:35: wirklich so ein... ich sage es mal Gottesvertrauen!

00:10:38: Mein Gott mein Vater ist seit irgendwie fünfzig Jahren Künstler und hat uns drei Söhne aufgezogen, hat was aufgebaut.

00:10:47: wir haben das ganze noch weiter ausgebaut.

00:10:49: Das ist so eine Einstellung auch dass man da keine Ballik.

00:10:55: Das stärkt ja auch.

00:10:57: Ich stelle es mir zumindest so vor, dass den Zusammenhalt gemeinsam... Auf jeden Fall!

00:11:05: Also

00:11:05: ich schweiß die Familie natürlich zusammen für einander da sein.

00:11:10: meine Mutter hat meinen Vater immer den höchsten Fall gehalten und wirklich stand immer hinter ihm und hat ihn bestärkt zu sagen mit deiner Arbeit mit dem was du machst wirst du es schaffen die Familie ernähren zu können Auch in schwierigen Zeiten.

00:11:25: Sie hat immer an ihn geglaubt und ich glaube, ohne meine Mutter im praktischem Hintergrund die sich nie den Vordergrund gestellt hat auch, wäre mein Vater hätte nie diese Karriere gemacht, die er dann gemacht hat.

00:11:42: Jetzt ist ja die Sonderausstellung in Rheinbach im Glasmuseum die Retrospective und ihr Vater gilt als einer der prägenen Künstler der Studioglasbewegung.

00:11:54: Was macht seine oder ihre Kunst so?

00:11:58: Familie Borowski, was macht das so besonders?

00:12:00: Ich meine es sind ja viel Farben, viel Mythologie überfangenglas.

00:12:07: ich Kennt das noch aus meiner Zeit?

00:12:09: Ich kenne da viel Galais, wurde im Auktionshaus viel verkauft.

00:12:12: Ja,

00:12:12: ist etwas was meinen Vater immer fasziniert hat, Jugendstil und Galais.

00:12:17: Das waren bestimmt auch etwas, was ihn sehr, sehr gepflegt hat.

00:12:23: um ihre Frage zu beantworten dass besondere an der Kunst meines Vaters es tatsächlich wirklich seine Perfektion was die gravur angeht.

00:12:31: Die gravur auf diesem überfahren Klass also es gab schon immer überfahren Glas sage ich mal oder Und das wurden immer wieder mal weintraubend drauf graviert, sag ich mal so simpel.

00:12:40: Das ist das was man kennt!

00:12:41: Man kennt ja die Kobbalzblauen oder Urbinaurtenweingläser mit Weintrauben drauf gravieren.

00:12:48: Man kennt auch, sage ich mal speziell natürlich jetzt auch in Rheinbach durch das Museum des Böhmische Glas Böhnen, Hirschen drauf und mein Gott!

00:12:56: Alles

00:12:56: das traditionelle.

00:12:58: Mein Vater hat das Ganze durch Mehrfach überfangen.

00:13:01: Das heißt nicht nur eine einzige Farbe sondern mehrschichtig überfangene Gräser und dann seine eigene Welt da drauf zu gravieren.

00:13:08: Das war sie in Beweg zu dem Zeitpunkt.

00:13:11: Das hat dazu einer Perfektion gebracht.

00:13:12: wo viele damals auch sagten... Das ist, wie kann man irgendwie fast ein Portrait im Glas gravieren?

00:13:20: Denn das Schwierige daran ist ja, dass viele nicht verstehen.

00:13:23: Es ist ja nicht gemalt!

00:13:24: Es ist nicht aufgetragen.

00:13:26: Die Farbe ist da und wird schichtweise abgetragen Was bedeutet, er zreckt die Farbe durch einen Steinrad irgendwie oder Kupferrad ab.

00:13:38: Er sieht nicht wie viel Farbe dahinter durch das Rad abgetragen wurde und die Farben wird immer heller, emmer heller.

00:13:44: Durch Schattierungen entstehen ja die ganzen Motive.

00:13:47: aber man muss diesen siebten Sinn dafür entwickeln.

00:13:50: was passiert hinter dem Rad?

00:13:51: Ich sehe das ja nicht ich trage der Farbe ab aber wieviel habe ich dafür unabgetragen?

00:13:56: Diese Perfektion und das, was er über Jahrzehnte aufgebaut hat.

00:14:00: Das kann man natürlich jetzt in dieser zuspektiven Ausstellung sehr gut sehen.

00:14:04: Man kann die ersten Werke sehen bis praktisch zu den letzten jetzt, die noch im Jahr zwei Tausend Zehn entstanden sind.

00:14:12: Da kann man auch sehen, wie man sich weiterentwickelt.

00:14:14: Wie die ersten Stücke aussahen, die ja mehr kleine Gefässer waren oder wasen und dann plötzlich dieser Bruch das ganze aufzubrechen durchzuschneiden, aufzubauen bis zu ganz großen Skulpturen.

00:14:30: Die zwei größten passen hier gar nicht in die Vitrinen deswegen haben wir sie gar nicht erst aus der Privatsammlung rausgenommen.

00:14:36: aber da kann man sich vorstellen, wie groß die sind wenn sie nicht in diese Einflug... mit der fünfzig großen Betriebe passen.

00:14:43: Und wie unterscheidet sich oder unterscheiden sich die Ja, die Werke und eure Generation.

00:14:55: Die Arbeit ihrer Brüder von ihm?

00:14:57: unterscheiden sie sich?

00:14:59: oder sieht man einen klaren roten Faden?

00:15:01: Man sieht natürlich irgendwie die Wurzeln und man sieht die Herkunft.

00:15:05: aber es gibt ein ganz klar Unterschied zwischen den Unikaten diesen wirklichen Masterpieces, diesen Werken meines Vaters von der Gravour gepflegt sind und die Studioglasse und Kleinserien, die wir als Manufaktur-Borowski praktisch als Glasstudio Borowski machen.

00:15:24: Das sind ja wirklich Kleinserie.

00:15:26: oder selbst wenn wir auch teilweise im Munikatbereich da unterwegs sind, sind das Sachen, die man teilweise perfil fältigen kann und die auch einen anderen Ansatz haben.

00:15:36: Mein Vater hat ja in seinen besten Jahren vielleicht höchstens mal zehn Stücke im Jahr gemacht.

00:15:41: Das waren schon die fruchtbarsten Jahre, es gab Jahre da hatte nur zwei bis drei Werke gemacht im Jahr.

00:15:47: das ist wirklich nicht viel.

00:15:48: man muss sich das vorstellen.

00:15:50: wenn der irgendwie eine One-Man Show hatte überwiegend in USA die Ausstellung dann hatte zwei drei jahre gesammelt praktisch um überhaupt ne große Ausstellung machen zu können.

00:15:59: Aber in diesen zweiter Jahren mussten auch immer wieder mal ein, zwei Stücke verkauft werden damit die Familie ernährt wird.

00:16:05: Also es war ein großer Aufwand für ihn eine große Ausstellung machen zu können und in der Zwischenzeit wenn er stundenlang tagelang monatelang irgendwo gravierte musste ja auch was passieren.

00:16:19: da entstand auch diese Idee auch dann Kleinserien um den kleinen Ofen bisschen mehr auszulasten indem man einfach sagt, ich muss ja noch was machen.

00:16:29: Was erstmal für eine breite Spublikum erschwenklich ist und was man dann irgendwie verkaufen kann um die Kosten für den Ofen und der Werkstatt bezahlen zu können und nicht nur abhängig von dem Verkauf der Unikate zu sein.

00:16:42: Und so entstand auch die Idee damals vom Glasstudio Barowski, die wir fortgeführt haben.

00:16:47: Nur dass wir also mein Bruder und ich wirklich recht viel erkannt haben das jetzt Eine traditionelle Fortführung und eine Einfertigung in der Manufaktur von Wasenschalen

00:17:02: usw.,

00:17:02: dass das nicht genug ist.

00:17:04: Wir sind damals recht fühl, ich glaube, einundneunzig war das... Da habe ich noch mein Abitur noch gar nicht fertig gehabt und war noch auf der Schule.

00:17:12: Mein Bruder ist ein Jahr älter, er war schon fertig.

00:17:15: Sind wir nach Frankfurt auf die Messe gefahren?

00:17:17: Und haben dort wirklich Unmengen Glashütten, Glasmanufakturen gesehen.

00:17:24: Die alle mit Vasenschalen kälzen euch dann wie viel schwer an Wasser auch immer unterwegs waren.

00:17:31: und das war wirklich eine Masse muss man sagen.

00:17:35: und wir mussten recht früh feststellen eigentlich gibt schon alles.

00:17:39: es braucht keine Vase.

00:17:42: da gibt es schon hundert Anbieter von Vase und schalen.

00:17:45: Und zwar die namhaften Manufakturen aus Frankreich, ob das Dorm, Baccaral, Aliqua oder Italiener, Venini, Salviati, Moretti – alle möglichen die deutschen Hersteller.

00:17:56: Also da gab es wirklich sehr viel!

00:17:57: Das heißt wir wussten wenn wir es irgendwie schaffen wollen und was machen wollen… was wir fortführen können, dann muss es sich absetzen.

00:18:07: Es

00:18:07: muss einfach anders sein.

00:18:08: und dann kamen uns halt die Ideen mit diesen tierischen Motiven, die ja wirklich ganz charakteristisch für uns sind.

00:18:16: nur und zwar auch glaube ich wollen jetzt nicht eins zu eins ein Fisch machen oder einen Kameleon oder eine Enter oder so das sondern es muss ne Schale sein die als Objekt wieder erkennbar ist dass sie irgendwo einen Motiv von der NTO, oder von Chameleon und durfte da von irgendwas darstellen.

00:18:33: Aber auch ein Gebrauchsgegenstand sein kann... Gibt es einen schönen Frosch?

00:18:39: Ja!

00:18:40: Froschs ist ein Riechenten.

00:18:41: Bei uns gibt's als Schale, als Wase, als Kerzenleuchter, alles Mögliche, als Gorsches beleuchtete Subjekt.

00:18:49: Und so haben wir unseren Weg und den Haar, unseren eigenen Design erfunden.

00:18:58: Und das machen wir jetzt auch schon seit fast, ja, da halt, weiß ich

00:19:02: ja?

00:19:03: Ja und es ist also ich stolperte fast in den Frosch!

00:19:08: auf Armeland und bin da so jedes Jahr durchgegangen.

00:19:13: Und plötzlich dachte ich der Garten, also zu dem einen sehr schönen Geschäft hat sich ja komplett verändert und dachte ich das gibt es auch nicht.

00:19:20: aber das war der Frosch den ich hier aus Rheinbach kannte.

00:19:23: Also da

00:19:24: habe ich mich gefreut.

00:19:24: Wenn man's irgendwo gesehen hatte kennt man es wieder.

00:19:27: Wir erleben das immer, dass

00:19:28: die Leute

00:19:29: wirklich weltweit unterwegs sind.

00:19:40: Das ist der Vorteil an unseren Sachen, man erkennt sie sofort wieder.

00:19:43: Wenn einmal irgendwo Barowski Glas gesehen hat, erkennt man das sofort wieder!

00:19:48: Ja toll und ihr habt aber auch in Rheinbach produziert schon damals?

00:19:54: Und wo?

00:19:56: Also die erste kleine Werkstatt... also die ersten Gawur-Arbeiten entstanden tatsächlich im Badezimmer noch vor dem Gläsartor VII Also, oben in der Wohnung.

00:20:06: Ich kann mich erinnern... Wir hatten das Ballezimmer, war echt groß und neben der Badewanne stand das Gawurwerk Zeug meines Vaters und da gravierte er Tag-und Nacht!

00:20:15: Man kann sich auch dieses Geräusch mal vorstellen, weil die Räder hinter dem Glas dann irgendwie quatsten und wir saßen noch beide in der Badawane und er gravierte und dann gingen wir schlafen und er gravierte weiter Tag und Nacht um einfach genug Werke zu haben, eine Ausstellung machen zu können.

00:20:33: Dann sind wir in die Turmstraße gezogen und da ist im Keller auch schon die ersten Schleifwerkzeuge aufgebaut worden und erste kleine Sandströlkabine und auch natürlich Gawur-Werkzeuge.

00:20:46: Da machte mein Vater weiter.

00:20:48: Und dann ist uns tatsächlich von der Stadt Weinbach das alte Schwimmbad, das Gebäude am alten Schwimmbad im Startback angeboten worden als kleine Werkstatt.

00:20:59: Und da sind wir auch, oder mein Vater damals auch eingezogen.

00:21:03: Das waren ja noch alles irgendwie Umkleidekabinen und so weiter.

00:21:06: Ich kann mich erinnern, dass wir aus diesen ganzen Trennenwänden der Umkleidekabine Regale gemacht haben wo man Sachen ablegen konnte.

00:21:12: Da hat mein Vater seine Gravurwerkzeuge aufgebaut, seine Schleifmaschinen und hat dort zum ersten Mal eine Studie außerhalb von dem Wohnzimmer oder von dem Badezimmer gehabt hat leider dann nicht lange irgendwie dort gehalten, aber da fing es an.

00:21:38: Was glaubst du?

00:21:39: Warum Rheinbach so ein besonderer Ort für Glaskunst ist und Hotspot?

00:21:44: Ja ich habe meinen Vater gefragt warum Rheinbach?

00:21:46: und sie müssen sich vorstellen mein Vater In Polen war in Ausnahmezustand aus Polen geflohen.

00:21:53: Wir sind ja noch da geblieben, die Familie.

00:21:55: Also er ist über Nacht praktisch mit zwei Koffern und fünf Arbeiten, der ihn Handtücher eingewickelt hat, über die tschechische Grenze dann irgendwie hier nach Bonn gewartet hat gehört dass es in Rheinbach ein Glasmuseum gibt.

00:22:10: Und dann stand er plötzlich vor dem Glasmuseum in Rheinbach das war ja hier noch damals auf Das ist die Hauptstrasse, aber noch in dem alten Gebäude.

00:22:19: Und klopfte an die Tür und dann machte damals der Museumsdirektor die Tür auf und fragte was er denn hier möchte oder will.

00:22:29: Mein Vater sprach ganz wenig Brauzer so gut wie gar nicht Deutsch, aber zeigte ihm die Werke.

00:22:34: Er kannte natürlich sofort die Qualität der Arbeiten, aber die waren natürlich von Unterdrückung und Schmerz und Unsicherheit und Ängsten geprägt.

00:22:45: Und ich weiß noch, dass mein Vater sagte, die schauten drauf und sagten zu mir... unglaublich, wie detailliert und wie toll sie gravieren können.

00:22:54: Aber können Sie nicht clowns gravieren?

00:22:57: Wir sind doch hier gerade mal in den Achtzigerjahren.

00:22:59: Ihr boomt alles ist froh irgendwie.

00:23:01: Und

00:23:02: das

00:23:03: Rheinland!

00:23:04: Kannst du nicht mal.

00:23:05: und sagt mein Vater nur ich habe ganz schnell nur gesagt mir is aber nicht nach Clown.

00:23:10: Ja, es

00:23:11: kommt aus den Tiefen.

00:23:12: Ich habe

00:23:13: gerade andere Probleme in mich bewegen und andere Sorgen als jetzt hier Clown zu gravieren.

00:23:18: aber es wurde sofort die Qualität erkannt und Weinbach hat uns damals auch in Soffen geholfen.

00:23:22: oder meinem Vater das sie sofort gesagt haben jemand der so eine Fähigkeit hat den müssen wir in dieser Glasstadt Weinbach haben und haben meinen Vater ein fiktives Stipendium praktisch rellen der Amt an der Glasfachschule in Weinbach angeboten.

00:23:38: Auf Basis von diesen drei Jahren ist praktisch Lehrvertrag oder Lehrauftrag, konnten wir als Familie aus Polen im Ausnahmezustand im Rahmen einer Familienzusammenführung überhaupt rauskommen.

00:23:50: Sonst wären wir gar nicht in der Lage gewesen dass mein Vater uns nachholen kann.

00:23:55: Er hat ja praktisch fast ein oder etwas über einen Jahr alleine hier gelebt bis wir ausleisen durften im Rahmen von einer Familien Zusammenführung für die drei Jahre wo mein Vater als polnischer Künstler sage ich mal, Bohlen vertritt hier und als Graveur an der Glasfachschule leeren sollte.

00:24:16: Mein Vater ist kein Pädagoge und auch kein Schäler.

00:24:18: deswegen hat das war nur eine Hilfe um meinen Vater zu helfen.

00:24:23: Die haben mir praktisch die Möglichkeit gegeben, damals auch noch im Glashaus am Wasserturm oder Edelmann.

00:24:29: Das war ja der erste Punkt wo mein Vater auch Fuß gekrasst hat.

00:24:32: Oder Edelman hat damals meinen Vater auch sofort eine Möglichkeit geboten gravotisch aufzubauen in der Werkstatt mit.

00:24:41: Die haben dort zusammen den ersten Glasofen aufgebaut, das erste Glas geschmolzen und zusammen auch kooperiert.

00:24:47: Und da entstand praktisch ... Ich weiß, mein erster Fuß in Rheinbach war im Glashaus am Wasserturm im Stadtpark.

00:24:56: Da bin ich aus dem VW-Bus ausgestiegen mit meinen elf Jahren und hab zum ersten Mal sozusagen Rheinbacher Boden unter den Füßen gehabt.

00:25:06: Ja, und jetzt bist du noch immer so verbunden?

00:25:10: Das ist etwas was einen kriegt.

00:25:13: Die ersten Jahre in Weinbach als Jugendlicher dann zur Schule neue Freunde, neue Bekanntschaften die herzlichen Menschen, die uns hier wirklich aufgenommen haben und uns geholfen haben sofort Fuß zu fassen.

00:25:29: Daher verbinde ich mit Weinbach auch diese Herzlichkeit und bin auch so gerne hier, weil das einfach sehr pfängende Jahre waren für mich.

00:25:37: Ich bin dann ja mit siebzehn oder achtzehnt von Weinbach nach Rennev gezogen habe dort auf dem Gymnasium Abitur gemacht aber es war auch ein sehr ungewöhnlicher Schulweg muss ich sagen denn ich bin damals wie gesagt vier Tage nach Ankunft eingeschult worden.

00:25:53: Das war damals die Hauptschule.

00:25:55: Die Hauptschulle ist damals auch anders aus, sag ich mal.

00:25:57: Ich kann mich erinnern irgendwie in der Klasse gab es noch ein Mädchen das kam aus Tschechien, aus Plak und ich war dann halt aus Polen da und alle Schüler haben mir sofort irgendwie versucht Begriffe und Worte anzulernen und wir hatten so einen Spiel wie so ein Puzzlespiel wo man dann irgendwie die Ente auf Ente legen konnte konnte man unten Ente lesen und so hat man dann halt irgendwie die Begriffe gelernt.

00:26:26: Es ist unglaublich, wie schnell man als Kind dann doch lernt.

00:26:29: nach einem halben Jahr ... Ich konnte praktisch schon ganz normal kommunizieren.

00:26:33: Nach einem Jahr habe ich praktisch die deutsche Ausaufgabe und alles normal aufsätze mitgeschrieben und gesprochen, das war überhaupt kein Thema was Mathe und alle anderen Fächer angeht.

00:26:46: da waren wir in Polen weit voraus muss ich sagen aber wirklich fast zwei Jahre vorausschrecken.

00:26:52: Ich hatte natürlich an der Hauptschule recht gute Noten sehr.

00:27:00: auch die derer sagten, Viktor bis jetzt im siebten Schuljahr eigentlich solltest du in die Realschule aufs Gymnasium wechseln und ich habe gerade meine sozialen Kontakte aufgebaut.

00:27:10: Ich wollte das nicht.

00:27:11: Im Nachhinein denke ich mir war es vielleicht ein Fehler Weil, als ich dann die ZNB gemacht habe an dieser Hauptschule und von hier nach Heneff aufs Gymnasium gewechselt hab wurden aus den Einzelnen alles ganz schnell dreien.

00:27:26: Weil ich dann natürlich gemerkt hab okay wie weit sind die voraus was haben sie schon alles gelesen und getan?

00:27:32: aber ich wollte mit meinen neu aufgebaute soziale... einfach

00:27:38: nicht aufgehen.

00:27:40: Ich wollte nicht schon eine neue Schule wieder und neue Leute kennenlernen, selbst in der gleichen Stadt sondern ich fühlte mich super

00:27:46: voll!

00:27:47: Und mit guten Noten ist man ja auch entspannt.

00:27:50: Es ist sehr easy hier.

00:27:52: Das musste ich dann wie gesagt zu spüren bekommen als ich gewechselt habe und Abitur gemacht hab das es waren damals von aus dieser Klasse wirklich nicht viele die das Abiturt dann auch gemacht haben.

00:28:03: Nichtsdestotrotz war es eine super tolle Zeit.

00:28:07: Schön.

00:28:08: Ja, und Sie sind ja jetzt auch diesen Sommer zumindest noch häufiger hier und eingeplant und sind Teil der Jury von Kunst findet statt.

00:28:19: Was hat sie daran besonders gereizt?

00:28:23: Also gereizte hat mich... haben mich mehrere Sachen.

00:28:26: einmal habe ich mir gedacht schafft eine Stadt wie Rheinbach das wirklich so ein Projekt, was sich im Kopf gesetzt hat und wirklich irgendwo... Ich fand es schon sehr mutig.

00:28:37: Und sehr

00:28:38: sportlich, was die Stadt zugemutet hat!

00:28:41: Ich war mega überrascht als wir dann wirklich auswerten konnten welche Einsendungen und was alles kam.

00:28:47: Ich glaube es waren die meisten von uns allen.

00:28:50: Waren wirklich überraschst was da so alles reinkam in so einer kurzen Zeit.

00:28:56: auch Dann hat mich das natürlich gereizt, oder es ist schon irgendwo auch eine kleine Ehre nach all den Jahren wieder in Rheinbach dann plötzlich an so einer Jury sitzen zu dürfen und mitentscheiden zu dürfen.

00:29:09: Welche Künstler wo in der Stadt was zeigen können?

00:29:13: Was sehr toll war.

00:29:15: auch die Besetzung der Jury selber und wie sie dann geleitet wurde.

00:29:22: Und ich habe da unglaublich viel selber lernen können Nach all den Jahren, wir hatten ja das große Glück den Herrn Berg.

00:29:31: Den ehemaligen Direktor vom Museum in Bonn an Bord zu haben und es war für mich faszinierend zu sehen wie dieser Mann die Jury praktisch geleitet hat und ich habe mich danach bedankt weil ich dachte irgendwie man könnte auch Ja, ein Monat irgendwo hat sich sowas anlernen innerhalb von ein paar Stunden.

00:29:56: Hat uns von ihm gelernt auch was die Sprache angeht, die Art und Weise Leute zu lenken und uns zu greiden.

00:30:04: also das war schon toll.

00:30:06: War ein tolles Erlebnis.

00:30:07: Schön!

00:30:09: Was macht Kunst im öffentlichen Raum so spannend?

00:30:11: Im Vergleich zur Galerie?

00:30:14: Im vergleich zur Galeria zum Museum ist dass Leute einfach zwangsläufig oder durch Zufall damit in Berührung kommen.

00:30:21: Und da ist für mich spannend zu beobachten, was macht das mit ihnen?

00:30:25: Was macht es mit den Menschen wenn sie plötzlich auf Kunst stoßen oder da gezielt.

00:30:30: Ich merke sehr oft und das ist etwas, was meine Aufgabe ist Wenn wir unsere die Galerie öffnen oder die Türen der Galerie ich Möchte dass Leute einfach rein kommen, dass sie keine Barriere haben.

00:30:41: Das sind nicht sagen oh ich verstehe nicht von Kunst also gehe ich hier gar nicht erst rein Oder ich habe von Kunst keine Ahnung hört man ja so oft wo ich sage Das macht doch überhaupt nichts.

00:30:49: Kommen Sie einfach rein, schauen Sie die Werke

00:30:52: an und

00:30:53: lassen sie es wirken auf sich.

00:30:55: Und schauen Sie, was mit Ihnen macht?

00:30:58: Ob es Ihnen vielleicht gefällt oder ob Ihre Stimmung verändert oder ob Sie plötzlich irgendwas entdecken, wo Sie selber nicht gedacht haben, dass Sie erst entdeckt werden.

00:31:07: Diese Barriere, diese Sache... Viele haben auch Angst, irgendwie ein Museum zu gehen.

00:31:13: Also nicht Angst aber...

00:31:15: Ja die Hemmschwelle ist

00:31:16: da ne?

00:31:17: Die nimmt man durch so einen Projekt den Leuten einfach weg und ich hoffe dass das hier auch gelingt, dass Leute einfach zur Kunst einen anderen Zugang bekommen.

00:31:27: Dass sie merken, das ist etwas was auch im Alltag mit fungieren kann und uns bereichert einfach.

00:31:40: Der Beginn des Formats ist ja bewusst auf den XXIII.

00:31:43: Mai gelegt, Tag der Demokratie und von Steinmeier ausgerufen als Ehrentag.

00:31:51: Wie kann Kunst demokratische Prozesse sichtbar machen?

00:31:57: Das ist eine gute Frage.

00:31:58: aber ich glaube es kann vielerlei hinsichtlich sein.

00:32:00: das war auch das Motto oder das Thema Demokratie.

00:32:02: deswegen haben viele Künstler versucht auch Werke speziell auf diesen Begriff hin irgendwie Ich sage es mal anzupassen oder zu gucken.

00:32:11: Und trotzdem wird man, glaube ich bei der Aktion sehen wie vielfältig das sein kann.

00:32:17: Also der Begriff Demokratie oder das Wort muss gar nicht da stehen damit und trotzdem merkt man... Es ist

00:32:22: ein Hintergedanke?

00:32:23: Ja!

00:32:24: Hier geht's darum um verschiedene Meinungen, verschiedene Sichtweisen, verschiedene Ansichten zusammenzubringen Und das wird eigentlich das Spannende sein an diesem Projekt, weil es wirklich sehr vielfältig ist.

00:32:40: Was dort gezeigt wird von Installationen über natürlich Skulpturen aber auch Gemälde Grafiken Sie werden ja sehen wer die Preise gewonnen hat und welche Thematiken das waren.

00:32:53: also ich fand's sehr spannend und ich hoffe dass die Leinbacher das auch gut annehmen werden und das auch als eine Bereicherung sehen.

00:33:04: Hat Kunst heutzutage eine politische Verantwortung Ihrer Meinung nach?

00:33:13: Ich denn dir dazu zu sagen nein, aber es ist einfach so dass Künstler natürlich auch immer wieder auch politisch sich äußern.

00:33:24: Ob für die Politiker zuguten oder zu schlechten oder ungemütlich oder ungemütlich.

00:33:30: ich habe vielleicht andere Wurzeln.

00:33:33: mein Vater wie gesagt musste damals ... aus Polen fliehen, weil ihm die künstlerische Freiheit geraubt wurde.

00:33:40: Weil er nicht sich frei äußern durfte... Mein Vater war aber nie ein politischer Mensch!

00:33:44: Er hat sich nie weder in der Partei noch irgendwie politisch geäußert.

00:33:48: Er wollte einfach nur frei sein und er wollte die Möglichkeit haben Kunst zu machen.

00:33:53: Und plötzlich kam Repression nach dem Motto und das galt dann so pauschal Künstler gleich oppositioneller.

00:34:01: Und das ist etwas, was mich geprägt hat.

00:34:03: Ich sage mein Vater hatte mit der Politik überhaupt nicht was zu tun gehabt.

00:34:06: als jetzt sage ich mal Donald Trump zum zweiten Mal gewählt wurde und ich ihn im Studium besucht habe also besuchte halt weil ich ihn jetzt nicht jeden Tag sehe und sagte hör mal Donald trump ist wieder irgendwie Präsident sagt er weiß sowas ist mir eigentlich Total egal, ich glaube nicht dass der mich hier besuchen kommt.

00:34:25: Eigentlich kann er mich mal!

00:34:27: Also diese Lästigkeit zu sagen Politik ist eine Sache die Kunst ist ne andere Sache.

00:34:33: natürlich nutzen viele Politiker vieler Künstler die Möglichkeit sich politisch zu äußern und

00:34:40: ein Statement auch

00:34:43: zu geben was ja auch durchaus legitim schön ist.

00:34:45: Für mich muss es das nicht.

00:34:47: Es ist auch so, dass ich Kunst die jetzt sehr provozierend oder sehr wirklich... Ich finde, es ist eine Kunst, die gehört im Museum aber die gehört nicht in einem Wohnzimmer.

00:35:01: Keiner möchte die ganze Zeit mit irgendwas konfrontiert werden was ungemütlich oder estätisch nicht schön ist.

00:35:06: Ich bin jemand der Kunst von der ästhetischen Seite irgendwie betrachtet.

00:35:12: Von etwas ist es wirklich schön und Das kann natürlich jeder für sich selber definieren, was er als schön empfindet.

00:35:19: Aber ich bin da schon so jemand der darauf achtet und das Kunst ein gutes Gefühl

00:35:30: gibt.

00:35:32: Ja, ich bin sehr gespannt!

00:35:34: Ich bin in Kassel aufgewachsen... Da auch durch meine Eltern geprägt sehr viel mit Kunst

00:35:41: zu

00:35:41: tun gehabt und Dokumentar.

00:35:44: Genau, da bin ich im Grunde groß geworden.

00:35:47: immer und denke natürlich direkt an Boys und den Fettfleck an der Wand und das Gummiband.

00:35:53: Wie wichtig ist Zugänglichkeit?

00:35:55: Muss Kunst verständlich sein?

00:35:58: Was denken Sie?

00:35:59: Ich glaube dass jeder für sich irgendwie einen Zugang zu Kunst finden kann Und das ist wirklich, wie wir Menschen so unterschiedlich.

00:36:10: Man muss natürlich Boys oder Künstler wie Boys oder die Zero-Gruppe, Ökka oder wie auch immer als Gesamtkunstwerk sehen.

00:36:17: So sehe ich Boys.

00:36:19: Ich habe aber auch irgendwie Verständnis für die Putzfrau, die sagt, ist das Kunst oder kann das weg?

00:36:25: Oder jemand der sagt, dass er nicht weggeputzt hat, hab' ich gar nicht als Kunst gesehen!

00:36:30: Das klingt jetzt irgendwie sehr banal... Aber man muss natürlich solche Künstler in den Gesamtkontext irgendwie sehen und deswegen versuche ich diese Hemmschwelle rauszunehmen.

00:36:42: Und als wir jetzt auch hier geriert haben, habe ich immer darauf im Hinterkopf gedacht wie geht jetzt jemand der vielleicht nicht unbedingt jeden Tag mit Kunst zu tun hat?

00:36:59: ein?

00:36:59: und wie nimmt er das war?

00:37:00: Ich fand es auch toll, dass wir zwei reinwacher Bürger in der Jury hatten.

00:37:04: Weil die natürlich eine ganz andere Sichtweise auf diese Sachen hatten.

00:37:08: Und es war erstaunlich zu sehen, dass alle super wirklich unterm Stich zusammenkamen und uns darauf einigen konnten, dass das gut ist und dass wir das zeigen wollen!

00:37:20: Wenn jemand wie Herr Dr.

00:37:21: Berg oder Frau Fabrizius sind, dann sind sie natürlich auch anders geprägt zwangsläufig, ich auch als jemand der mit Kunst tagtäglich irgendwie umgeht.

00:37:34: Ich habe trotzdem versucht die Sichtweise von jemandem anzunehmen, der damit nichts zu tun hat, der aber einfach nur sich daran erfreuen will und deswegen habe ich auch auf die Ästhetik der Sachen geguckt.

00:37:46: Ja und das ist ja.

00:37:48: also höre ich raus dass Schöne auch.

00:37:49: vor allem es bringt Menschen zusammen.

00:37:51: Es hat viel Toleranz zu tun genau und Wertschätzung.

00:37:58: und ja, Impulse nimmt man mit.

00:38:02: Es entstehen Dialoge, es entsteht Austausch, man tauscht sich aus, man fragt was siehst du in diesem Werk?

00:38:09: Wie empfindest du das?

00:38:11: Und das ist eigentlich das Spannende.

00:38:13: Das führt uns wieder

00:38:14: dann zu Demokratie.

00:38:17: Einfach sich auch mal die Meinung des anderen anhören und gucken.

00:38:20: wie kann man das... verstehe ich dass?

00:38:24: Kann ich das nachvollziehen?

00:38:25: Ist es eine Sichtweise, die ich auch durchaus nachvollziehend kann.

00:38:31: Und das ist da... Das bringt uns wieder zu Demokratie!

00:38:36: Welche Entwicklung wünschen Sie sich für die Kunstszene in Rheinbach?

00:38:40: Natürlich ne gute, aber natürlich

00:38:42: nicht.

00:38:44: Also wie gesagt, ich fand das ein sehr... Ja, wie soll man es sagen?

00:38:51: Hörausforderndes

00:38:53: mit der Aktion Kunstfindet Stadt.

00:38:58: War positiv überrascht bei die Einsendungen und ich würde mir wünschen dass das vom Rheinbacher Publikum oder von dem Rhein-Bacher Bürgern gut angenommen wird.

00:39:09: Dass es den Staat gut tut, dass auch neue Leute in die Stadt bringt, die einfach darüber gehört haben und sagen hey hier findet etwas statt was die Stadt bereichert, was zusätzlich irgendwie dazu beiträgt, dass die Stadt attraktiv bleibt und ist.

00:39:28: Und ich würde mir natürlich wünschen, dass das so ein Erfolg hat, dass es fortgeführt wird, dass man das alle zwei Jahre dann wirklich als eine Art Bienale irgendwie einfach tun kann.

00:39:38: Ich glaube uns ist allen bewusst wir sind jetzt nicht venedig hier ja?

00:39:42: Und auch nicht kassel.

00:39:43: dokumentar wollen wir gar nicht!

00:39:45: Wir wollen ja...

00:39:47: dass Rheinbach

00:39:48: sein, authentisch sein mit dem was Rheinbach ist und wie es ist.

00:39:52: Aber auch über den Tellerrand hinaus und über die Grenzen von Rheinback aufmerksam machen.

00:40:00: das ist eine Stadt die Tradition hat, die aber trotzdem sich öffnet und weiter geht.

00:40:06: Und das finde ich an diesem Projekt so spannend und so schön.

00:40:11: Schön!

00:40:12: Herr Borowski, es war mir eine große Freude Vielen Dank, dass Sie hier waren.

00:40:16: Vielen

00:40:16: Dank sehr gerne!

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