Folge 20 - Start-up trifft Stadtrat

Shownotes

In dieser Folge von „Rhein gehört“, dem Podcast der Stadt Rheinbach, ist Lena Pieper zu Gast. Sie ist Unternehmerin, Personalerin, Mutter und Ratsmitglied für die UWG in Rheinbach. Im Gespräch mit Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel berichtet sie darüber, wie sie berufliche Verantwortung, Familie, Selbstständigkeit und kommunalpolitisches Engagement miteinander verbindet. Ein Schwerpunkt der Folge sind flexible Arbeitsmodelle und die Vereinbarkeit unterschiedlicher Lebensbereiche. Lena Pieper arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Personalbereich und beschäftigt sich mit Organisationsstrukturen, Personalprozessen und der Frage, wie Unternehmen flexiblere Arbeitsmöglichkeiten schaffen können. Dabei geht es insbesondere um Eltern und pflegende Angehörige, die aufgrund ihrer persönlichen Situation zeitlich oder örtlich eingeschränkt sind. Das Gespräch beleuchtet außerdem Vorurteile gegenüber Müttern im Berufsleben. Lena Pieper berichtet von Erfahrungen aus ihrer unternehmerischen Tätigkeit und erläutert, warum die von ihr mitgegründete Freelancing-Plattform umbenannt wurde. Der ursprüngliche Name „Free Mom“ habe bei Unternehmen teilweise zu Vorbehalten geführt. Mit der Umbenennung veränderten sich nach ihrer Schilderung auch die Gespräche mit Unternehmen. Ein weiterer Schwerpunkt ist Lena Piepers Weg in die Rheinbacher Kommunalpolitik. Nach einer Demonstration gegen Rechts und einem anschließenden Austausch über die Sichtbarkeit von Frauen in der Politik kam sie zur UWG. Zunächst engagierte sie sich als sachkundige Bürgerin im Schulausschuss. Seit der Kommunalwahl gehört sie dem Stadtrat sowie dem Haupt- und Finanzausschuss und dem Schulausschuss an. Im Gespräch berichtet sie von ihren ersten Erfahrungen und einem Generationenwechsel, den sie in der Kommunalpolitik beobachtet. Zum Abschluss geht es um Entscheidungsprozesse und die Frage, was Kommunalpolitik vom Start-up-Denken übernehmen kann. Lena Pieper spricht darüber, Themen nicht länger als notwendig zu diskutieren, sondern Entscheidungen zu treffen, neue Wege auszuprobieren und bei Bedarf nachzusteuern. Daniel Phiesel greift diesen Gedanken mit Blick auf politische Gremien und die Stadtverwaltung auf. Die Folge verbindet damit Einblicke in flexible Arbeitsmodelle mit persönlichen Erfahrungen aus Selbstständigkeit, Familie und Rheinbacher Kommunalpolitik. In dieser Folge erfahren Sie:
✅ wie Lena Pieper Selbstständigkeit, Familie und Kommunalpolitik miteinander verbindet
✅ welche Bedeutung flexible Arbeitsmodelle für Eltern und pflegende Angehörige haben
✅ warum Homeoffice für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Rolle spielen kann
✅ welche Erfahrungen Lena Pieper aus mehr als 15 Jahren im Personalbereich einbringt
✅ welche Vorurteile gegenüber Müttern im Berufsleben thematisiert werden
✅ warum die Freelancing-Plattform „Free Mom“ einen neuen Namen erhalten hat
✅ wie Lena Pieper ihren Weg in die Rheinbacher Kommunalpolitik gefunden hat
✅ welche Aufgaben sie im Stadtrat und in den Ausschüssen übernimmt
✅ welchen Generationenwechsel sie in der Kommunalpolitik beobachtet
✅ was Start-up-Denken und kommunalpolitische Entscheidungsprozesse miteinander verbindet

Transkript anzeigen

00:00:00: Intro/Outro: Reingehört. Der Podcast der Stadt Rheinbach heute mit Dr. Daniel Fiesel. Viel Spaß beim Reinhören.

00:00:25: Daniel Phiesel: Was bedeutet es, berufliche Verantwortung, Familie und kommunalpolitisches Engagement miteinander zu verbinden? Darüber spreche ich heute mit Lena Pieper. Sie ist Unternehmerin, Personalerin, Mutter und Ratsmitglied in Rheinbach und bringt damit unterschiedliche Perspektiven auf Arbeit, Alltag und das Leben in der Stadt zusammen. Herzlich willkommen Lena!

00:00:46: Lena Pieper: Vielen Dank! Daniel, Ich freue mich.

00:00:47: Daniel Phiesel: Ja. Schön, dass du da bist. Ich kenne dich ja schon, aber unsere Zuhörerinnen noch nicht. Deswegen will ich dich einmal ganz kurz vorstellen. Du stammst aus Münster und lebst seit zwei tausend zwanzig mit deinem Mann und deiner Tochter in Reinach. Beruflich bist du Gründerin und Geschäftsführerin des Start ups Uphoff und außerdem als Freelancerin im Personalbereich tätig. Dabei beschäftigst du dich mit neuen Arbeitsmodellen und der Frage, wie sich berufliche Entwicklung und unterschiedliche Lebensphasen miteinander verbinden lassen. In Rheinbach engagierst du dich zudem kommunalpolitisch als Ratsmitglied für die UWG. Wenn Zeit für anderes bleibt, verbringst du diese am liebsten mit deiner Familie gerne im Rheinbacher Wald, im Eiswerk oder im Restaurant Süden. Lena Sehr schön. Das hört sich ja richtig toll an und ich sehe auch schon ganz viele Parallelen kommunalpolitisches Engagement und Familie. Meine Frage vorab Wie oft bringst du deine Tochter abends ins Bett?

00:01:45: Lena Pieper: Oh, äh, eigentlich fast jeden Abend. Außer ich habe Fraktionssitzung oder Ausschuss oder Rat.

00:01:52: Daniel Phiesel: Also.

00:01:53: Lena Pieper: Also doch. Ich würde mal sagen, im Durchschnitt sind es, würde ich sagen, sechs von sieben.

00:01:59: Daniel Phiesel: Okay, aber das ist ja, äh, ich würde sagen, das schaffe ich fast auch. Ich würde würde runtergehen auf fünf, vielleicht vom sieben. Aber es ist mehr. Ich frage das auch deswegen, weil es mir auch so besonders wichtig ist, die Kinder ins Bett zu bringen. Abends irgendwie So ein besonderer Moment ist auch noch mal kurz vorm Schlafengehen und verabschiedet sich so für die nächsten acht bis zehn oder zwölf Stunden, je nachdem, wie lange geschlafen. Und ähm, ja, wenn man das so sieht. Also nicht nur dein Lebenslauf, sondern auch das, was du jetzt gerade so tagtäglich machst. Als Freelancerin dann auch noch ehrenamtlich tätig. Familie. Das alles unter einen Hut zu kriegen ist wahrscheinlich nicht so einfach, oder?

00:02:33: Lena Pieper: Das ist nicht so einfach. Das stimmt. Aber das ist genauso wie ich leben und arbeiten möchte. Also ich habe schon immer mehrere Sachen gleichzeitig gemacht. Ich habe schon immer neben dem Hauptjob einen Minijob gehabt oder Freelancer. Ich habe mit meinem Mann zusammen zehn Jahre eine Praxis geführt, neben meinem Hauptjob und meinem Freelancing. Was jetzt neu dazugekommen ist, ist die Kommunalpolitik, die. Ähm, ja, natürlich auch Zeit in Anspruch nimmt. Und da bin ich ganz neu und deshalb natürlich auch mehr Zeit, als ich jetzt irgendwie mir vorstellen konnte. Man muss sich in vieles reindenken und reinrufen und auch die Termine sind jetzt neu dazu gekommen, die Abendtermine. Aber für mich war das schon immer so, dass ich viele Sachen gleichzeitig gemacht habe. Also ich werde auch oft gefragt wie machst du das? Oder auch bewundernd angeschaut von meiner Familie. Ich weiß gar nicht, wie du das alles machst, aber so fühle ich mich eigentlich am wohlsten.

00:03:29: Daniel Phiesel: Sehr cool. Also immer aktiv, immer engagiert. Und genau darauf sollte meine Frage auch hinauslaufen. So nach dem Motto Wie schaffst du das, das alles unter einen Hut zu kriegen? Ich glaube, das ist ja. In der Gesellschaft hat sich das ja in den letzten Jahrzehnten so entwickelt. Und ich glaube, du setzt dich ja auch beruflich dafür ein, dass es diese Entwicklung auch so weitergeben kann, dass man auch als junge Frau gewissermaßen nicht nur für eine Sache zuständig ist, zum Beispiel Arbeit oder zu Hause, sondern dass man mehrere Sachen machen kann.

00:03:57: Lena Pieper: Genau, dass man mehrere Sachen machen kann, sich auch verwirklichen kann. Dass man jetzt nicht nur Mutter und Hausfrau ist. Für viele ist das auch ein Modell, das supergut funktioniert. Und genau das Ding ist, dass sie wollen. Aber die, die es anders haben wollen, sollen auch alle Chancen haben. Und dafür setze ich mich ein.

00:04:14: Daniel Phiesel: Ja, Sehr cool. Da fällt mir ein, es gibt ja auch mittlerweile so eine für mich ziemlich befremdliche Bewegung der sogenannten Treatise. Sagt dir das was? Also kennst du das? So nach dem Motto, dass man so ganz traditionell Kuchen backen und und kochen usw zu Hause ist und sich dann schick macht für den Mann. Und vielleicht noch die Kinder hübsch macht, damit die dann Spalier stehen können, so wie man das irgendwie in den vierziger Jahren oder wie auch immer hatte. Wie, wie, wie blickst du darauf?

00:04:39: Lena Pieper: Also es ist natürlich für mich erst mal auf den ersten Blick ein totaler Rückschritt. Natürlich, weil man da ein Frauenbild positioniert, das wirklich nicht mehr aktuell ist. Wenn man mal genauer hinguckt, ist es auch ein Geschäftsmodell. Also die meisten sind irgendwie Influencer, war die damit auch ihr Geld. Also es ist ein bisschen, äh, ja, zweideutig, würde ich mal so sagen. Ich sage ganz ehrlich wenn das ein Lebensmodell ist, das man gerne möchte, das wenn es freiwillig gewählt ist und wenn das auch funktioniert, dann soll jeder doch so leben wie er oder sie möchte. Aber es steckt oftmals tatsächlich auch eine Verdienstmöglichkeit dahinter, sodass die Treatise eigentlich auch irgendwie eine Art Job haben.

00:05:21: Daniel Phiesel: Ja, und ganz ehrlich, ich glaube, so verbreitet ist es auch gar nicht, wie es sich anfühlt. Das passt schon ganz gut. Deine Analyse, dass das eher dann die Influencerinnen sind. Und der Begriff Treaty ist ja ein englischer. Insofern scheint der in Deutschland noch nicht so ganz so Fuß gefasst zu haben. Also bleiben wir von diesem Trend vorerst verschont. Was ich auch grundsätzlich befürwortenswert finde. Darf ich einmal fragen wie Du bist ja als Freelancerin tätig. Wie, wie, wie bist du da engagiert, um auch dieses Bild der modernen Frau gewissermaßen und auch der modernen Freelancerin selber quasi nach vorne zu bringen.

00:06:02: Lena Pieper: Also ich bin ja seit über fünfzehn Jahren im Personalbereich und wenn ich mit Unternehmen arbeite, spreche ich mit Unternehmen über Prozesse, Organisationsstrukturen. Wie kann man die Organisation aufbauen, dass sie zukunftsfähig ist? Wie kann man Prozesse anpassen und wie kann man die Menschen im Unternehmen einsetzen, Dass sozusagen jeder auch sein volles Potenzial entfalten kann und die Organisation gut arbeiten kann? Und für mich kommt da Vereinbarkeit und auch die Berufstätigkeit von Müttern vor allen Dingen so ein bisschen mit. Also wenn man es Flexibilität möglich macht im Unternehmen, erreicht man eine viel größere Zielgruppe. Das ist das, womit wir eigentlich gestartet sind. Wir haben gesagt, Flexible Arbeitsmodelle in Organisationen ermöglichen Menschen, die gerne arbeiten möchten, die aber auch ihr Leben und ihre Familie vereinbaren müssen, ja wieder einsatzfähig zu sein. Und ich glaube, es fängt bei den Unternehmen an, die die Strukturen öffnen müssen für Flexibilität. Und dann haben Frauen und Mütter Menschen, die Verantwortung haben, für die ich mich einsetze, auf jeden Fall viel mehr Chancen.

00:07:09: Daniel Phiesel: Und ich finde, das ist ja nicht nur ein Wert an sich Gerechtigkeit, sondern auch für die Gesellschaft im Allgemeinen. Weil dadurch jetzt mal ganz salopp gesprochen auch viel mehr Effizienzen geschaffen werden.

00:07:19: Lena Pieper: Also wir haben fast eins Komma fünf Millionen Menschen, die zum sogenannten Hidden Talentpool gehören. Das sind vor allen Dingen Mütter, aber auch Väter, auch pflegende Angehörige, die ja immer mehr werden. Und die stehen im Arbeitsmarkt aktuell nicht zur Verfügung, weil die Arbeitsmodelle nicht flexibel genug sind. Also Menschen, die gerne arbeiten möchten, aber nur im begrenzten Radius örtlich zur Verfügung haben, auch nur eine begrenzte Stundenzahl am Tag oder in der Woche arbeiten können und die aufgrund dieser Faktoren einfach keinen Job finden, der zu deren Qualifikation gehört. Und das alleine finde ich schon ungerecht, weil wir reden auf der anderen Seite viel von Fachkräftemangel und von unserer Bundeskanzlerin sagt doch immer, wir müssen die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöhen. Ja, aber wie macht man das denn, wenn die Strukturen nicht da sind?

00:08:11: Daniel Phiesel: Ja, es ist glaube ich, gerade ein ziemlich spannendes Thema, was auch immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Interessanterweise ja auch über die letzten Jahre. Jahrzehnte schon und. Aber es ist halt immer noch nicht total gerecht gelöst gewissermaßen.

00:08:26: Lena Pieper: Also man denkt, wir wären schon weiter. Um ehrlich zu sein, es ist oft jetzt ein Rückschritt zu beobachten in den Unternehmen. Viele rufen auch die ganzen Remoteoptionen zurück. Homeoffice Option zurückholen, die Menschen wieder in die Büros und ja, benachteiligen eigentlich ja dann die, die diese Flexibilität sehr genossen haben und auch gebraucht haben für ihren beruflichen Erfolg. Also Menschen, die wissen, Ihre Kinder sind von acht bis fünfzehn uhr betreut. Sie bräuchten vielleicht noch eine halbe Dreiviertelstunde Berufsweg oder Arbeitsweg. Die haben einfach nur ein paar Stunden am Tag Zeit zu arbeiten. Und wenn sie diese zwei ein zwei Stunden zu Hause am Schreibtisch arbeiten könnten, könnten sie einfach mehr leisten. Auch. Und wenn man aber weiß, man muss noch bis nach Köln, und das ist jetzt ja von Rheinbach aus zum Beispiel ein Harakiri über die Nordbrücke oder zumindest nicht vorhandene Nordbrücke zu fahren. Das ist für viele echten Problemen, die im Homeoffice viel effizienter arbeiten könnten. Aber die Unternehmen gehen weg von diesen flexiblen Optionen, und das finde ich richtig schade zu beobachten.

00:09:31: Daniel Phiesel: Aber das ist ja eigentlich verwunderlich, weil auf der einen Seite sagen wir, wir haben einen Fachkräftemangel und möglicherweise würden wir auch Effizienzen heben. Wir würden einfach den Talentpool irgendwie größer machen für das Unternehmen. Und auf der anderen Seite gibt es aber die gegenteilige Tendenz. Also ist das. Ist das Unwissenheit oder ist es tatsächlich irgendetwas, was wir jetzt noch gar nicht entdeckt haben, dass wir tatsächlich auch Ineffizienzen haben. Ich meine, jetzt mal überspitzt gesagt wenn ich jetzt zehn Teilzeitkräfte habe, dann muss ich dafür genauso viel Personal Betreuungsressourcen reinstecken wie für zehn Vollzeitkräfte. Ist dieser Gedanke vielleicht auch ein gerechtfertigter?

00:10:08: Lena Pieper: Also da stimmt, das zählt auch da mit rein. Es ist aber auch viel Unwissenheit. Also ich mache auch viele Veranstaltungen, Webinare und auch andere Podcastaufnahmen genau zu dem Thema, wo wir aufklären darüber, wie viele Optionen oder Möglichkeiten Unternehmen eigentlich haben, wenn sie sich flexibler aufstellen. Und ganz oft ist es wirklich die Unsicherheit oder die die Unwissenheit und auch Vorurteile. Vorurteile von zum Beispiel Müttern, wo man sagt Oh, die sind so unflexibel, da ist ständig ein Kind krank oder Ferien und Ausfälle. Also du kannst dir nicht vorstellen, was ich jetzt auch in den drei Jahren in der Reise mit Abpfiff alles gehört habe Und vieles habe ich natürlich nicht direkt ins Gesicht gesagt bekommen, aber manche Sachen auch. Also unser Unternehmen hieß ganz am Anfang schon Free Mom und der Name Mom transportiert schon direkt das Problem. Also viele Unternehmen haben zu uns gesagt ähm, ist gut, was ihr macht und es ist auch wichtig, was ihr macht. Aber ich komme mit meinen eigenen Müttern schon nicht gut klar. Ich kann jetzt nicht Werbung machen, dass ich mit euch arbeite, dass ich jetzt Mütter, die, die freiberuflich tätig sind, bei uns einsetze. Also da steigen mir meine Mutter dann aufs Dach, die ich alle irgendwie nicht unter bekomme. Es ist oft einfach sperrig, wenn man sagt, man hat Kinder. Viele, viele verstecken ihre Kinder auch im Lebenslauf, was ich absolut schade finde. Aber sie wollen sich einfach da nicht irgendwelche beruflichen Chancen verbauen. Und das ist einfach in unserer Zeit immer noch so und das ist wirklich erschreckend, manchmal auch zu beobachten. Es gibt natürlich viele gute andere Beispiele Unternehmen, die schon viel weiter sind, aber gerade auch in größeren Unternehmen ist es schon erstaunlich, wie da über Frauen, Mütter oder Eltern generell gedacht wird.

00:11:57: Daniel Phiesel: Ja, ja, ich glaube, ich bin da als Mann tatsächlich ein bisschen auf der Insel der Glückseligen. Ich könnte jetzt alleine auch schon bei meinem Instagramprofil das Projekt Mädchenpapa dann gewissermaßen so die Überschrift. Aber ich muss mir auch keine Gedanken machen, dass das möglicherweise negativ ausgelegt wird. Das kann ich aus dem Bauch heraus machen. Aber wenn schon der, der der Begriff Mom gewissermaßen negativ besetzt ist. Ich kenne das ja auch. Ich weiß nicht, ob ihr den Begriff auch Soccer Mom kennst. So nach dem Motto die Kinder immer zum Fußball fahren oder Hockey Mom und nichts anderes sozusagen auf dem Tagesprogramm stehen haben. Dann hat das auch einen gewissen abfälligen Charakter. Also auch wenn das gar nicht so gemeint ist. Das ist ja häufig so, dass Begriffe dann irgendwie negativ besetzt sind, obwohl man das gar nicht so meint, aber irgendwie dann doch sich immer weiter trägt. Wie ist das bei Free Mom? Ist das noch der, der der begriff? Weil Abu ist ja auch der der der Firma. Habt ihr da bewusst euch dann für Abpfiff?

00:12:50: Lena Pieper: Genau. Also unsere Firma heißt noch die Free Mom GmbH. Aber unsere Plattform, das ist ja unser Produkt. Sozusagen eine Freelancing Plattform, wo wir Unternehmen und freiberufliche Talente zusammenbringen. Die haben wir letztes Jahr zu APO umbenannt und der Prozess war auch ja fast ein Jahr. Tatsächlich, Also sich mal neu zu benennen. Ist auf jeden Fall eine Herausforderung und eine interessante Erfahrung. Aber wir haben tatsächlich gemerkt, dass der Name Free Mom uns mehr benachteiligt und unsere Talente auch in eine falsche Schublade steckt. Und wir wollten einfach dieses Gespräch nicht mehr führen. Also wir wollten das abstellen. Wir machen exakt das gleiche wie vorher auch heißen Output und der Name heißt eigentlich nichts. Also es ist keine Abkürzung für irgendwas oder es ist einfach ein Kunstbegriff, den wir schön fanden und den wir auch mit tatsächlichen Namensexperten entwickelt haben. Also das war echt eine lange Reise. Aber witzigerweise, wir machen wie gesagt nichts anderes, aber wir haben diese Vorurteilsgespräche nicht mehr. Wir sagen, dass unsere Talente vorrangig Menschen mit mehr Verantwortung sind, die sich deshalb für das Freelancing entschieden haben als beruflichen Weg. Und keiner diskutiert mehr mit uns darüber. Das ist wirklich erleichternd gewesen.

00:14:04: Daniel Phiesel: Hm. Sehr schön. Ich würde gerne auf die Kommunalpolitik zu sprechen kommen, weil da auch das Thema ich nenne es jetzt mal im weitesten Sinne Demografie, persönliche Demographie auch eine Rolle spielt. Aber bevor wir das machen, damit die Zuhörerinnen dich auch noch mal ein bisschen besser kennenlernen können, habe ich ein paar Fragen mitgebracht. Und du darfst immer nur eine schnelle Antwort geben. Fahrrad oder Auto?

00:14:31: Lena Pieper: Lieber Fahrrad.

00:14:32: Daniel Phiesel: Wald oder Innenstadt?

00:14:33: Lena Pieper: Wald.

00:14:34: Daniel Phiesel: Homeoffice oder Büro?

00:14:35: Lena Pieper: Homeoffice.

00:14:37: Daniel Phiesel: Eis im Becher oder in der Waffel im Becher. Stadtrat oder Start up?

00:14:42: Lena Pieper: Oh, das ist gemein. Beides.

00:14:48: Daniel Phiesel: Okay. Den einen Joker hast du auf jeden Fall. Ein freier Tag, komplett verplant. Oder einfach schauen, was passiert.

00:14:55: Lena Pieper: Einfach schauen, was passiert.

00:14:56: Daniel Phiesel: Zuhören oder diskutieren.

00:14:58: Lena Pieper: Diskutieren.

00:15:00: Daniel Phiesel: Festanstellung oder Selbstständigkeit? Selbstständigkeit ist einfach für dich.

00:15:03: Lena Pieper: Das war einfach sehr cool.

00:15:06: Daniel Phiesel: Ich muss ja selber sagen, ich habe auch schon mal über eine Selbstständigkeit nachgedacht. Clever mit System sollte das heißen. Da habe ich nämlich sowohl. Ich wollte irgendwie so eine Nachhilfegeschichte mal machen. Auch über die Pfadfinderei ist das so ein bisschen praktischer usw hat sich dann aber nicht bewahrheitet. Wäre auch sehr viel Risiko mit verbunden gewesen. Und da kam gerade die erste Tochter. War so vor zehn Jahren habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen. Ich war nicht mutig genug, aber naja. Also bei mir würde ich sagen, ich müsste ehrlicherweise sagen Festanstellung statt Freelancing.

00:15:42: Lena Pieper: Ist ja auch okay, Ist halt für jeden anders, ne? Ja.

00:15:45: Daniel Phiesel: Cool. Kommunalpolitik. Du bist genauso wie ich. Deine erste Amtszeit. Jetzt im Stadtrat. Ähm. Wie fühlt sich das an?

00:15:56: Lena Pieper: Super spannend. Tatsächlich? Ich bin ja so ein bisschen reingepurzelt in dieses ganze Thema. Aber ich finde es super spannend. Schön. Interessant. Mhm.

00:16:08: Daniel Phiesel: Du bist ja auch super engagiert. Ich habe dich besonders noch im Schulausschuss in Erinnerung. Da warst du sehr, sehr Feuer und Flamme für die Schülerinnen und Schüler argumentieren.

00:16:18: Lena Pieper: Das werde ich auch weiter tun. Ähm, ja. Also bei mir eigentlich schon immer so gewesen, dass ich lieber Dinge verändere, als sie zu beobachten. Und dass ich mich jetzt traue, auch im Stadtrat oder jetzt im Schulausschuss So laut zu werden, ist eigentlich gar nicht mein, mein. So eine Grundeigenschaft. Ich bin eigentlich eher ruhiger. Ich bin jetzt auch nicht die, die ganz vorne steht und irgendwas sagt. Aber wenn ich für etwas brenne, dann merkt man das auch dann noch.

00:16:47: Daniel Phiesel: Mit einer offensichtlich ja. Wenn man brennt, dann auch richtig. Ansonsten nee, das ist ja auch eine sehr sympathische Eigenschaft, solange gewissermaßen sich erst mal die Sachen anzuhören, zu überlegen, nachzudenken. Aber irgendwann muss man halt auch wenn das Thema dann berührt ist, was einen wirklich auch sehr interessiert, dann muss man halt auch rausgehen. Finde ich auf jeden Fall spannend und dein Engagement finde ich da auch wirklich, wirklich super. Du sagtest, du bist da gewissermaßen reingestolpert. Wie, wie, wie, wie Also warst du schon immer politisch interessiert, kommunalpolitisch interessiert? Und wie ist es dann dazu gekommen, dass du in die Kommunalpolitik kommst?

00:17:24: Lena Pieper: Also politisch interessiert schon. Eigentlich schon immer. Und es war, ich weiß gar nicht mehr, ob das jetzt zwei oder drei Jahre her ist war auf dem Himmel oder weil die Demo gegen Rechts. Da haben alle Fraktionsvorsitzenden nacheinander gesprochen und ich stand da mit meiner Tochter. Und ich fand es total gut, wie viele Menschen sich auch engagiert haben und gekommen sind. Aber ich fand ehrlicherweise, es haben alle Fraktionsvorsitzenden das Gleiche gesagt und es standen dort nur Männer. Und ich habe mich in so einem Instagram Post nicht darüber beschwert, aber ich habe es geäußert, meine Kritik. Und dann hat ja die Silke Josten, die ja auch bekannt ist in Rheinbach hat mir geantwortet und hat gesagt okay, du kannst schon meckern, aber dann musst du auch was machen. So, da sind wir uns sehr ähnlich, dass wir da sozusagen die Dinge lieber verändern als nur beobachten. Und dann hat sie gesagt Komm mal mit zur UWG, schau dir das mal an! Und dann habe ich mich in die Fraktionssitzung gesetzt, habe es mir angeguckt. Dann bin ich auch schnell in den Schulausschuss als sachkundige Bürgerin gekommen. Dann habe ich gesehen, was da so passiert und wie das so läuft mit der Kommunalpolitik. Hatte ich vorher sonst gar keinen Einblick irgendwie. Ja, und dann zur Kommunalwahl wurde ich dann auch aufgestellt und bin seitdem in dem im Stadtrat und im Haupt und Finanzausschuss und im Schulausschuss. Genau. Sehr cool. Ja.

00:18:45: Daniel Phiesel: Schön.

00:18:45: Lena Pieper: Ja. Das ging schnell.

00:18:46: Daniel Phiesel: Ja, das ging wirklich schnell. Ja. Ich muss ganz ehrlich sagen. Mir hat auch noch ein bisschen die Sensibilität für das Thema. Nur Männer sind sichtbar. Gefehlt. Ich kriege das jetzt mehr und mehr mit. So nach dem Motto Wir müssen auf den Fotos alleine schon aufpassen, dass wir da nicht irgendwie nur Männer sind. Auch wenn es sich jetzt tatsächlich durch Zufall so ergeben hätte. Ich weiß auch noch, dass wir. Jetzt muss ich überlegen beim Rathausturm, da waren nur Männer da oben und das hat einigen dann auch, äh, äh, ja, wir haben mehrere Kommentare bekommen in dem Zusammenhang und. Also so nach und nach werde ich auch sensibler was was das Thema angeht. Weil auch das Bild an sich, das ist ja auch eines, was was wichtig ist. Ich fand es eigentlich ganz cool. Zwar kann man natürlich von Angela Merkel halten, was man will, ich schätze sie sehr großartige Politikerin. Ähm, ähm. Was aber interessant war in der Zeit, ich glaube sechzehn Jahre Kanzlerin war sie. Was dann interessant war, war diese Anekdote ist wohl das, wo ein Kind mal eine Mutter gefragt hat Können eigentlich auch Männer Kanzler werden?

00:19:51: Lena Pieper: Ja, stimmt.

00:19:52: Daniel Phiesel: Das fand ich eigentlich so richtig cool, dass das auch sozusagen in die andere Richtung gehen kann. Aber wir haben natürlich in neunzig Prozent der Fälle, auch wenn jetzt beispielsweise ein Bürgermeister typischerweise dargestellt würde, als Mann dargestellt, aber witzigerweise dann auch als inkompetent oder als bösartig. Also wenn du dir den Bürgermeister Quimby irgendwie bei den Simpsons oder auch den Bürgermeister Besserwisser bei Paw Patrol, wie du vielleicht kennst. Ich weiß nicht, ob deine Tochter das gucken darf, die anschaust. Also da kommt man auch nicht so gut bei weg. Als Kommunalpolitiker dann möglicherweise ja, aber spannend. Okay, das heißt, du bist dann gewissermaßen. Aber du warst dann schon als sachkundige Bürgerin in der letzten Ratsperiode mit dabei, bist deswegen also auch schon mit dem einen oder anderen Problem in in Verbindung gekommen. Wenn du jetzt deine Sorge oder auch deine Hoffnung? Irgendwie verbalisieren müsstest, wie es so in der Kommunalpolitik in den nächsten Jahren hingeht. Was? Was treibt dich so am meisten um?

00:20:51: Lena Pieper: Also tatsächlich wäre meine Hoffnung, dass wir schneller werden. Ich merke natürlich, viele Themen brauchen ihre Zeit auch, um von allen Seiten beleuchtet zu werden und von jedem besprochen zu werden. Und dass man alle Themen auch mit in einen Topf wirft und dass die Ausschüsse und alle Regeln auch beachtet. Aber ich glaube, da sind wir beide uns sehr ähnlich, dass wir auch erst mal einfach machen und da mal gucken.

00:21:20: Daniel Phiesel: Ja.

00:21:21: Lena Pieper: Und vielleicht noch mal justieren, aber die Themen nicht so dolle durch durchsprechen, dass sie fast tot gesprochen sind, sondern erst mal testen. Ja, das ist meiner Meinung nach Es sind die Themen jetzt immer noch sehr, sehr lange im Gespräch und es wird viel geredet statt gemacht und. Also meine Hoffnung wäre, dass wir wirklich schneller werden und mutiger werden auch. Was ich auch beobachte, ist so eine Art Generationenwechsel jetzt auch in der Kommunalpolitik. Also wir haben jetzt viele neue Ratsmitglieder, die auch jung sind, die auch so wie ich es das erste Mal dabei sind, die teilweise schon politische Erfahrung haben, aber auch manche nicht. Und dann haben wir auf der anderen Seite die und die haben gerade ja auch den größten Redeanteil in den Sitzungen und so, die schon länger dabei sind. Und ich hoffe, dass ich das so ein bisschen verschiebt, also dass ich die Jüngeren auch mehr trauen und die Älteren vielleicht auch ein bisschen mehr Platz machen. Also das ist so ein Mix stattfindet, dass man jetzt nicht verdrängt oder so, sondern dass man wirklich gut zusammenarbeitet, das Wissen weitergibt, die Erfahrung weitergibt, aber auch neue Wege mutig irgendwie ja anfängt zu gehen.

00:22:30: Daniel Phiesel: Ja, ja, ist vielleicht auch ein ganz guter Appell dann auch an die bestehenden Fraktionen, auch an die Verwaltung, da vielleicht so ein bisschen das System auch aufbrechen zu lassen. Es kann ja auch eine gute Entwicklung sein. Wir sind da tatsächlich ähnlich. Wir haben demokratische Strukturen, die sind nicht immer so schnell, wie man will. Als aber da muss ich auch wirklich sagen, so diese unternehmerischer Gedanke und auch der Freelancer Gedanke, auch erst mal was zu machen und dann vielleicht auch relativ früh zu scheitern und es dann irgendwie anders zu machen. Genau da bricht einem kein Zacken aus der Krone ist in der Politik vielleicht auch risikoreich, aber das müssen wir eigentlich auch eingehen. Vielleicht ist es dir auch aufgefallen. Ich versuche in den Ratssitzungen, auch in den Ausschusssitzungen, wenn es so in die Richtung geht. Na ja, das Thema ist schon sehr komplex. Lass uns doch noch mal vertagen, versuche ich mit aller Kraft dafür zu werben. Wir haben jetzt lange genug darüber gesprochen, teilweise auch stundenlang. Egal für was ihr euch entscheidet, aber bitte entscheidet euch heute Und das ist glaube ich echt wichtig, dass wir vorankommen. Ich glaube, das merken auch die Bürgerinnen und Bürger, wenn in einem hohen Tempo ist auch ein Qualitätsmerkmal, auch wenn dadurch am Ende Vielleicht die letzten zwei Prozent nicht rausgekratzt wurden. Aber dafür ist man in acht und neunzig Prozent ein Jahr vorher ins Rennen gegangen. Ich glaube, das ist auch wichtig.

00:23:45: Lena Pieper: Meine Chefin hat meine alte Chefin hat immer gesagt lieber bei achtzig Prozent loslegen als zu warten, bis man bei ein hundert Prozent ist. Die wird man nämlich nie erreichen. Also so ein bisschen mehr Start up Charakter in der Kommunalpolitik fände ich ganz gut. Es ist natürlich dann immer, wenn ich tagsüber meinem Start up arbeite und abends in einer politischen Sitzung sitze, ist es sehr schizophren. Es sind zwei verschiedene Welten.

00:24:09: Daniel Phiesel: Ja, das glaube ich. Das ist übrigens, um da an die eigene Nase zu fassen. Ist ja in der Verwaltung auch nicht anders. Wobei ich glaube, da haben wir in Rheinbach tatsächlich, ähm, da haben wir wirklich gute Strukturen. Also alleine was das Alter angeht, wir haben ein ziemlich niedriges Durchschnittsalter, da wurde in den letzten Jahren super viel getan. Daran, dass das so ist und auch so bleibt. Und da läuft man bei mir natürlich auch offene Türen ein. Und ich glaube auch, was unsere auch den auch den Frauenanteil angeht. Auch in den Führungspositionen sind wir nicht schlecht aufgestellt. Und witzigerweise hatte ich neulich ein Projekt und habe mich ein bisschen umgeschaut oder umgehört. So nach dem Motto Wer kommt denn dafür auch fachlich besonders gut in Frage? Und im engeren Zirkel waren es dann drei junge Frauen, die das dann besonders gut machen konnten. Da dachte ich auch Cool, das ist ein ziemlich guter Demographie. Aussage, auf die wir in der Stadtverwaltung haben. Und ich glaube, wir sind da etwas Großem auf der Spur, dass wir da auch dieses Demografieproblem nicht nur in Rheinbach insgesamt angehen müssen, sondern auch in der Verwaltung, dass wir da schneller, dynamischer und auch mutiger werden. Ich glaube, Mut ist gut, gehört dazu. Und auch wenn in der Politik es immer so ist Du machst neuen Sachen richtig. Aber für die zehnte, die du falsch gemacht hast, wirst du fünf Jahre lang verfolgt. Das ist auch okay so, aber trotzdem sollte man den Mut aufbringen, es trotzdem so zu machen, weil es einfach insgesamt besser ist, als wenn man nur eine gute Sache macht statt neun.

00:25:44: Lena Pieper: Das stimmt.

00:25:45: Daniel Phiesel: Primär. Lena. Dann würde ich sagen, wir hatten haben jetzt fünf und zwanzig sehr intensive Minuten schon miteinander verbracht, War sehr spannend für mich und ich würde sagen auf eine gute Zusammenarbeit im Rat. Und möge deine Selbstständigkeit und dein Freelancen dich genauso mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft bringen, wie du das heute hier rüber gebracht hast. Auch für die Zuhörerinnen.

00:26:09: Lena Pieper: Vielen Dank. Danke für das Gespräch.

00:26:11: Daniel Phiesel: Vielen Dank, Lena.

00:26:16: Intro/Outro: Das war reingehört, der Podcast der Stadt Rheinbach. Seien Sie gespannt auf die nächsten Folgen.

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