Folge 2 - Rhein gehört: Volt - Neu im Stadtrat
Shownotes
In der zweiten Folge von „Reingehört“, dem Podcast der Stadt Rheinbach, übernimmt Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel die Rolle des Interviewers. Zu Gast ist Tobias Path, Fraktionsvorsitzender der Volt-Partei, im Rheinbacher Stadtrat.
Tobias Path ist 30 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Rheinbach und ist seit 2022 vor Ort stationiert. Er diente in der Offizierslaufbahn der Marine und studierte über die Bundeswehr Elektro- und Informationstechnik. Geboren in England und aufgewachsen in Schleswig-Holstein beschreibt er eine enge persönliche Verbindung zum europäischen Gedanken.
Im Gespräch geht es um seinen Weg in die Politik, den Einstieg in die Partei Volt und die Erfahrungen im Kommunalwahlkampf. Thematisiert werden außerdem internationale Entwicklungen, sicherheitspolitische Fragen und die Rolle Europas. Auch lokale Themen stehen im Mittelpunkt: Das Bürgerbudget als Beteiligungsinstrument, die Diskussion um den Rutschenberg im Freizeitpark sowie Ideen zur Verkehrsberuhigung und Begrünung der Rheinbacher Innenstadt.
Darüber hinaus spricht Tobias Path über Umweltengagement, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Bedeutung von bürgerschaftlichem Einsatz. Das Gespräch zeigt unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle Themen und verdeutlicht die Vielfalt politischer Ansätze im Stadtrat.
In dieser Folge erfahren Sie:
✅ Wie Tobias Path seinen Weg in die Kommunalpolitik gefunden hat
✅ Welche Rolle Europa für ihn persönlich spielt
✅ Wie er internationale Spannungen als Soldat wahrnimmt
✅ Wie der Wahlkampf für eine neue Partei in Rheinbach verlief
✅ Welche Bedeutung das Bürgerbudget haben kann
✅ Welche Argumente es in der Diskussion um den Rutschenberg gibt
✅ Warum bürgerschaftliches Engagement wichtig bleibt
✅ Welche Ideen es für die Innenstadtentwicklung gibt
✅ Wie politische Zusammenarbeit im Stadtrat erlebt wird
✅ Welche Themen Tobias Path besonders am Herzen liegen
Transkript anzeigen
00:00:05: Sprecher 1 Reingehört, der podcast der stadt rheinbach, heute mit dr. Daniel fiesel. Viel spaß beim rheinhör.
00:00:20: Sprecher 2 Herzlich willkommen zu unserer zweiten Folge reingehört, dem Podcast für Rheinbach. Mein Name ist Daniel Fiesel, Bürgermeister der Stadt Rheinbach und heute in einer anderen Funktion unterwegs. Ich war ja in der ersten Folge mit der Frau Kranke der Interviewpartner und heute darf ich das Interview führen mit einem ganz spannenden Menschen, Tobias Pat. Schön, dass du da bist. Herzlich willkommen.
00:00:46: Sprecher 1 Halli Hallo. Hallo Daniel. Es freut mich sehr, dass ich hier sein darf und vor allem auch, dass ich der erste Gast bin.
00:00:52: Sprecher 2 Ja genau. Wenn ich dich einmal ganz kurz vorstellen darf. Wir haben ja schon häufiger mal miteinander gesprochen, du als Ratsmitglied und seitdem seit den drei Monaten meines Amtsantritts und auch deines Antritts ist ja auch viel Zeit vergangen, aber ich würde dich einmal einführen. Ist das so in Ordnung?
00:01:12: Sprecher 1 Aber selbstverständlich.
00:01:13: Sprecher 2 Genau, wir haben nämlich deine Informationen bekommen und ich finde, da ist ganz viel Spannendes dabei und da würde ich mal ganz intensiv interessieren, was es damit alles so auf sich hat. Ich lese einfach mal vor. Tobias Pat ist 30 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Rheinbach und ist Fraktionsvorsitzender der Volt Partei im Rheinbacher Stadtrat. Er diente in der Offizierslaufbahn der Marine, studierte über die Bundeswehr Elektro und Informationstechnik und ist seit 2022 in Rheinbach stationiert. Geboren in England mit deutschem und polnischem familiären Hintergrund, beschreibt er eine enge persönliche Bindung an den europäischen Gedanken. Sein politisches Engagement entwickelte sich aus zivilgesellschaftlichen Aktivitäten auf lokaler Ebene und mündete im Eintritt in die Kommunalpolitik. Inhaltlich befasst er sich unter anderem mit Umweltschutz, sozialem Engagement und der zukunftsfähigen Entwicklung Rheinbachs. Noch einmal Hallo Tobias, nochmal hallo. Ja, du bist auch Offizier jetzt ja noch aktiv. Mit deinen jungen Jahren, 30 Jahren gibt es da bestimmt ganz viel Spannendes. Wie lebt es sich denn hier in Rheinbach? Du bist ja noch nicht so lange hier.
00:02:29: Sprecher 1 Also für Bundeswehrverhältnisse bin ich schon relativ lange hier und plane es auch weiterhin zu bleiben. Erstmal, das ist eine sehr schöne Sache, denn Rheinbach habe ich als eine wirklich schöne Stadt empfunden. Man hat hier kurze Wege. Es ist eine aufgeräumte, sehr saubere Stadt. Also ich war vorher zum Beispiel in Hamburg oder in Wilhelmshaven, da sehen die Felder völlig anders aus. Das Miteinander hier ist wirklich hervorragend und deswegen macht es besonders viel Spaß, sich hier auch für die Gesellschaft mit zu engagieren.
00:02:57: Sprecher 2 Cool. Ja, ich meine, die Stadt hat ja auch mit der Kaserne auch ein enges Partnerschaftsverhältnis. Insofern wissen wir auch, was wir mit der Kaserne haben. Ich glaube, da können wir auch in Zukunft miteinander ziemlich viel Gutes tun. Du bist ja in der Wahlpartei Mitglied. Seit wann bist du Mitglied?
00:03:22: Sprecher 1 Ich bin erst seit letztem Jahr Mitglied. Anfang des Jahres direkt nach der Bundestagswahl bzw. Kurz vor der Bundestagswahl eingetreten und dann zur Bundestagswahl Endspurt, Wahlkampf aktiv mitgemacht und schließlich dann für die Kommunal Wahl umfangreicher und immer mehr engagiert, bis dann schließlich die Kommunalwahl war und plötzlich sitzt man im Stadtrat.
00:03:50: Sprecher 2 Ja, sehr cool. Ich meine ganz ehrlich, da haben wir ja tatsächlich schon wieder eine Gemeinsamkeit. Nicht nur, dass wir beide einen militärischen Hintergrund haben, sondern dass auch ich tatsächlich ziemlich genau zum selben Zeitpunkt auch in die CDU eingetreten bin, auch vor dem Hintergrund, dann als Bürgermeisterkandidat ins Rennen zu gehen. Insofern ganz witzig, dass wir da zum selben Zeitpunkt, du allerdings im jüngeren Alter dieselbe Idee hatten und in der Kommunalpolitik einsteigen wollten. Ja, wir haben über deinen persönlichen Werdegang gesprochen und dass Rheinbach ziemlich schön ist. Du bist, du hast ja jetzt einen neuen Blick von außen drauf. Das freut mich übrigens. Ich, der ich ja schon länger hier verwurzelt bin, weiß natürlich auch zu schätzen, was wir an der Stadt haben, aber dass das Außenstehende dann auch so sehen, das ist natürlich auch nicht selbstverständlich. Ihr seid hierher gekommen gewissermaßen gezwungenermaßen oder habt ihr euch das ausgesucht, nach Heimach zu kommen?
00:04:54: Sprecher 1 Gewissermaßen gezwungenermaßen. Ich bin zuerst hergezogen, aber habe dann nachher meine Frau mitgenommen.
00:04:59: Sprecher 2 Ja, so habe ich übrigens auch gemacht. Meine Frau kommt aus dem Norden und die habe ich dann auch hier runter mitgenommen, war dann erst in Köln stationiert, damals noch bei der Bundeswehr und übrigens danach bin ich dann ins Verkehrsministerium nach Bonn gewechselt und war dann wieder zu Hause nach etwas längerer Abwesenheit. Du kommst ursprünglich, woher?
00:05:22: Sprecher 1 Ursprünglich komme ich aus Schleswig Holstein, würde ich jetzt sagen. Geboren wurde ich zwar in England, das war aber aufgrund der Stationierung meines Vaters. Also wir haben einen etwas militärischen Hintergrund. Der war dort bei der NATO stationiert, deswegen in England geboren, mit jungen Jahren dann nach Deutschland gezogen und in Schleswig-Holstein aufgewachsen in der Nähe von Eckernförde.
00:05:43: Sprecher 2 Ja, ich meine, das ist jetzt natürlich vielleicht sehr direkte Frage, aber du hast ja auch NATO angesprochen und wenn ich mir so den Jahresanfang anschaue, da ist ja ziemlich viel in Bewegung, ziemlich viel Beunruhigendes. Wie hast du das empfunden?
00:05:59: Sprecher 1 Also für mich ist jede Nachricht, die auf internationale Spannungen hinweist, immer mit besonderem Interesse verfolgbar. Wir machen uns dann auch zu Hause natürlich immer auch Gedanken, was wäre wenn. Also als aktiver Soldat könnte man ja auch jederzeit in gewisse Einsatzszenarien verwickelt werden, egal wie die Tätigkeit aussieht, ob man jetzt von hinten unterstützt oder von vorne führt, spielt dabei gar keine Rolle. Und deswegen beunruhigt mich das in besonderem Maße und bestärkt mich noch in meiner Unterstützung von Volt, da sich Volt für eine starke europäische Armee auch einsetzt.
00:06:38: Sprecher 2 Ja, Europäer im Herzen habe ich mir auch mal immer auf die Fahnen geschrieben. Wir hatten bei den Pfadfindern auch immer eine Fahne auf der Brust und das war sowohl die Deutschlandfahne als auch die Europafahne. Da war ich immer ganz stolz drauf, das dann tragen zu dürfen auf der Kluft. Was bedeutet Europa für dich?
00:06:59: Sprecher 1 Europa bedeutet für mich kein staatliches Konstrukt, sondern es ist mehr ein Gefühl. Also wir sind so eng beieinander, wir sind so fest miteinander verzahnt aufgrund der Vergangenheit. Auch haben wir uns nach so vielen schrecklichen Taten, die wir uns gegenseitig antun mussten, irgendwann erkannt, zusammen funktioniert es irgendwie doch besser und dann kommen wir da als kleinster Kontinent hervor und können doch, wenn wir zusammenhalten und zusammenstehen, die Weltpolitik auch mitgestalten, stehen dort eigentlich als großer Player da, vorausgesetzt, wir schaffen es zusammenzuhalten. Und das ist eben dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Es gibt hier offene Grenzen, man kann einfach rübergehen und dort im Nachbarland beispielsweise tanken gehen oder einfach Urlaub machen, mittlerweile auch schon arbeiten quasi im Homeoffice von anderen europäischen Ländern aus. Es gibt hier so viele Familien, die auch in unterschiedlichen Ländern verwurzelt sind, deswegen wachsen wir zusammen, ohne unsere Identitäten aber zu verlieren.
00:08:05: Sprecher 2 Ja, also ich glaube, dieses Gefühl, das teilen wir total. Deswegen ist fast diese, ist das fast schon langweilig für den Podcast, weil ich da genauso denke wie du, wenn ich mir die Städtepartnerschaften von Rheinbach anschaue, mit Frankreich, mit England, mit Belgien, mit Tschechien, Rheinbach ist international, Rheinbach ist europäisch. Und ich hatte auch als Kind schon immer den Gedanken, also diese Grenzen, auch insbesondere innerhalb Europas, irgendwie sind die ja gar nicht spürbar, übrigens als Pilot noch viel weniger. Da fliegt man einfach von A nach B und merkt gar nicht, wenn man irgendwie über eine Landesgrenze fliegt. Und ich finde, wenn man dann jetzt vor allem nach außerhalb schaut in die
00:08:48: Sprecher 1 Welt,
00:08:50: Sprecher 2 im Osten haben wir einen Verrückten, der einen Angriffskrieg in Europa führt, im Westen haben wir als größten Partner in der NATO einen Staatschef, der das Völkerrecht bricht. Ich glaube, da gerät viel ins Rutschen gerade und ich glaube, Europa wird da eine wichtigere Rolle spielen müssen. Was hältst du denn davon? Also würdest du jetzt sagen, wenn ich morgen entscheiden müsste, es soll einen Staat geben, Europäische Union, und dafür wird Deutschland nur noch ein Bundesland gewissermaßen sein, Würdest du dafür sein?
00:09:31: Sprecher 1 Ich persönlich, ja, also wir sollten unsere Souveränität nicht unbedingt aufgeben, aber es gibt ganz viele unterschiedliche Abstufungen. Es gibt zentrale Regierungssysteme, es gibt föderalistische Regierungssysteme, wie wir es ja auch haben, wo einige Kompetenzen eben auch bei den individuellen Ländern vorhanden bleiben. Oder in Amerika ist das föderalistische System eigentlich sogar noch stärker ausgeprägt, wo die einzelnen Staaten deutlich größere Kompetenzen sogar haben noch als unsere Bundesländer. Von daher ein europäischer Staat im Sinne von, es gibt eine wirklich zentrale Entscheidungsmöglichkeit, die dann verpflichtend umgesetzt werden muss. Aber ich sag mal, lokale Gegebenheiten, die ja dann jetzt zurzeit Bundesebene wären, bleiben immer noch in Hand der souveränen Länder. Das wäre eine Option, mit der ich mich sehr gut anfreunden könnte.
00:10:25: Sprecher 2 Wie empfindest du das denn, wenn du mit den Menschen sprichst? Es ist ja jetzt nicht so, dass man mit dem Gedanken Vereinigte Staaten von Europa, du und ich sind da wahrscheinlich sehr aufgeschlossen gegenüber, aber damit rennt man ja auch politisch, gesellschaftlich keine offenen Türen ein. Was glaubst du denn, was die Menschen da so umtreibt, warum es da nicht so viel Gegenliebe gibt für so eine Idee?
00:10:46: Sprecher 1 Ich denke in erster Linie, es ist die Furcht vor dem Unbekannten. Wir kennen es nicht, also haben wir da erst mal einen gehörigen Respekt davor. Und gerade diese Furcht ist es, was die Kräfte am rechten Spektrum doch für sich versuchen nutzbar zu machen, um Furcht zu kanalisieren, um ihre eigene Agenda durchzubringen.
00:11:07: Sprecher 2 Du sprichst es an, rechte Kräfte. Wir haben das Glück in Rheinbach im Stadtrat keine AfD zu haben. Wie glaubst du, entwickelt sich das? Ich meine, wenn man sich die Bundesumfragen anschaut, ist das natürlich ein Trend, der besorgniserregend ist. Was die extremistischen Parteien angeht, müssen wir in Rheinbach auch damit rechnen. Das ist uns auch treffen wird.
00:11:34: Sprecher 1 Also solange ich in Rheinbach bin, hoffentlich nicht sehr gut.
00:11:38: Sprecher 2 Als Soldat machst du dich stark dafür, dass es sozusagen uns vom Hals bleibt, gewissermaßen gesellschaftspolitisch.
00:11:48: Sprecher 1 Also wir müssen als soziale Einheit einfach dagegen stehen und uns bewusst machen, was wir dadurch verlieren würden, würden wir diesen Weg bestreiten Und diese Furcht greift um sich, die ausgenutzt wird. Und das Problem ist, dass insbesondere die AfD Dinge wie Social Media wunderbar verstanden hat. Die wissen, wie man manipuliert, wie man falsche Fakten in den Raum wirft, wie man auch Grenzen verschiebt des Sagbaren, des Denkbaren, um nachher hinterherzurücken und das eigene Wohl, das eigene Interesse nachher voranzustellen. Denn was sie im Blick haben, ist ja eben nicht das Wohl der Gemeinheit oder das Wohl von Deutschland, sondern das ist deren eigenes Wohl.
00:12:33: Sprecher 2 Du bist jetzt seit November im Stadtrat. Wie hat sich das denn eigentlich bei der Wahl angefühlt? Ich würde mal sagen, es war jetzt nicht erwartbar, dass Volt überhaupt in den Stadtrat kommt und dann direkt mit zwei Sitzen. Wie hat sich das angefühlt?
00:12:48: Sprecher 1 Wir hatten einen sehr schwierigen Wahlkampf hinter uns. Vor allem bevor wir überhaupt in den Wahlkampf starten konnten, mussten ja gewisse bürokratische Hürden auch genommen werden. Dadurch, dass Volt noch nie zuvor entwickelt Rheinbach vertreten war, mussten wir überhaupt erst Unterschriften sammeln gehen. Wir mussten wählbare Personen aufstellen für jeden einzelnen Bezirk in Reip und haben es nicht mal in allen Bezirken geschafft. Also in Wormersdorf zum Beispiel haben wir niemanden gefunden, sodass uns zwei Wahlkreise nachher verwehrt blieben. Und nichtsdestotrotz haben wir diesen schwierigen Wahlkampf bewältigt und sind nicht mal als schwächste Partei in den Stadtrat eingezogen. Also das war schon etwas unerwartet. Wir waren da bei dieser Wahlparty im Rathaus, wo wir zusammen waren, waren etwas baff, dass dann doch so viel Zustimmung aus der Bevölkerung anscheinend für uns vorhanden ist, hat uns natürlich auch wunderbar gefreut und plötzlich sitzt man mit Fraktionsstärke im Stadtrat. Also es war ein ganz unglaubliches Gefühl, vor allem da einem dadurch ganz andere Möglichkeiten aufgezeigt werden.
00:13:51: Sprecher 2 Ja, Fraktionsstärke, ich glaube, ich sehe es auch im Lächeln in deinem Gesicht. Das war sicherlich ein großer Moment für euch. Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich freue mich. Ich kann mich noch erinnern, um vielleicht mal in die Gedankenwelt reinzusteigen, ich kann mich noch erinnern, wie ihr euren Stand wart und Unterschriften gesammelt habt und ich habe da meine Sympathie bekundet, habe aber tatsächlich nicht unterschrieben, weil ich nicht wusste, was das sozusagen, weil ich ja auch noch Neuling war, weil ich auch noch nicht wusste, ist das jetzt überhaupt so üblich, dass ich als Vertreter der CDU dann irgendwie eine andere Partei dann in dieser Form unterstütze. Aber man, man wächst ja mit seinen Erlebnissen und Erfahrungen. Insofern, ich kann nur sagen, ich freue mich, dass ihr mit dabei seid und dass ihr auch noch mal neue Perspektive reinbringt. Apropos dann auch neue Perspektive, ihr habt ja auch einen besonderen Ansatz, wo man auch von anderen Kommunen oder auch anderen Regionen lernt. Wie willst du da vielleicht ein bisschen was zu sagen?
00:14:50: Sprecher 1 Das ist das, was wir als Best Practices bezeichnen. Wir versuchen Probleme nicht einfach selbst zu lösen. Man muss nicht das Rad immer neu erfinden, sondern wir nutzen unsere besonders gute Vernetztheit innerhalb insbesondere auch Europas, um bekannte Probleme mit anderen Voltas dann abzustimmen, zu fragen, wie habt ihr das vielleicht gelöst? Oder gibt es positive Beispiele, wo vielleicht auch Volt gar nicht involviert ist, bei denen ein Problem auf eine Weise gelöst, die uns wirklich sehr gut zusagt und die man vielleicht auch kommunal dann bei uns anwenden könnte.
00:15:27: Sprecher 2 Hast du da irgendein konkretes Beispiel, was wir für Rheinbach umsetzen könnten?
00:15:31: Sprecher 1 Also uns würde sehr gut gefallen, wenn wir zum Beispiel das Bürgerbudget aus Siegburg hier umsetzen könnten. Dort gibt es eine Abgabe von 2 pro Person und in öffentlichen Möglichkeiten gibt es dann die Möglichkeit für Bürger abzustimmen, wie dieses Geld dann schließlich verwendet werden soll. Das sind dann circa für sie und dort könnte man dann soziale Projekte zum Beispiel anstoßen oder was auch immer die Bevölkerung sich gerne wünschen würde, aus der Bevölkerung heraus zum Beispiel ein Rutschenberg.
00:16:08: Sprecher 2 Ja, sehr gut, dass du es ansprichst, meine Damen und Herren. Ich mache hiermit Werbung für den Rutschenberg. Nein, wir wollen jetzt nicht dieses. Also ich finde die Idee sehr gut, weil ich jetzt tatsächlich auch beim Rutschenberg merke, was es alles damit auf sich hat. Ich meine, machen wir uns nichts vor. Wir haben eine dramatische Haushaltssituation letztendlich mit Defizit im zweistelligen Millionenbereich pro Jahr und da werden wir uns nicht mehr diese ganz großen Sprünge leisten können. Dennoch wollen wir aber Projekte umsetzen, sei es jetzt Verschattung auf Spielplätzen oder auch der Rutschenberg. Und letztendlich habe ich jetzt auch die Erfahrung gemacht, wenn kein Geld zur Verfügung steht, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten oder ich sage mal drei Möglichkeiten, die man umsetzen kann. Fördermöglichkeiten nutzen, dann Spenden generieren und letztendlich auch auf bürgerschaftliches Engagement, also Ärmel hochkrempeln und anpacken, zurückgreifen. Und das ist natürlich deutlich anstrengender und schwieriger, als einfach das Geld auszugeben. Das ist aber vielleicht auch gar nicht so verkehrt. Ich finde, wir müssen auch mehr und mehr den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, dass die Stadt insbesondere bei den freiwilligen Leistungen nicht der alleinige und erste und letzte Ansprechpartner ist, um Probleme zu lösen. Ich finde, das müssen die Bürgerinnen und Bürger auch mitmachen und auch selber anpacken.
00:17:37: Sprecher 2 Ich glaube, in der Vergangenheit wurden zum Beispiel in Oberdrees auch ganze Turnhallen und wie auch immer selber gebaut. Und vielleicht müssen wir ein Stück weit in der Mentalität auch zurückgehen und weg von dieser, nenne es jetzt mal Vollkasko Mentalität. Die Stadt wird sich schon drum kümmern. Und deswegen, um da den Bogen zu schlagen, so ein Bürgerbudget heißt es, glaube ich, ist da natürlich auch eine Komponente, die man dann nutzen könnte, um dann die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Für was wollt ihr dieses Geld denn wirklich ausgeben? Und dann wird das so gewissermaßen. Ist auch noch mal ein bisschen demokratieförderlich. Ist auf jeden Fall interessantes Konzept, wobei ich weiß nicht, ob wir, wenn wir die Bürgerinnen und Bürger fragen, ob sie noch mal zwei sozusagen mehr bezahlen wollen, ob sie das dann machen. Aber ist auf jeden Fall ein Gedanken, den ich noch gar nicht so kannte, obwohl ich natürlich auch über die Kommunengrenze hinausschaue und schaue, was machen die anderen Kommunen so? Die anderen Kommunen schauen sich auch an, was machen wir so? Insofern ist dieser Best Practice Ansatz natürlich schon vorhanden, aber den kann man sicherlich noch ausbauen. Ja. Hast du noch Punkte, die du in dem Podcast noch unterbringen möchtest?
00:18:46: Sprecher 1 Nun, wenn wir schon von dem Rutschenberg, Bürgerbudgets und der sozialen Notwendigkeit, auch mal vielleicht selbst in die Tasche zu greifen, gesprochen haben, warum der Rutschenberg? Das ist so ein Thema, wo wir, glaube ich, nicht ganz einer Meinung sind. Ich bin da auf gar keinen Fall dagegen, dass der Freizeitpark eine Rutsche hat, aber der Freizeitpark ist halt schon sehr gut ausgestattet, was Spielplatzmöglichkeiten zum Beispiel angeht. Es ist ein sehr attraktiver Ort, um sich aufzuhalten. Hätte man nicht beispielsweise dieselbe Summe, die so ein Rutschenberg kostet, auch versuchen können, nachhaltiger einzusetzen für soziale Projekte. Warum?
00:19:25: Sprecher 2 Der Rutschenberg ist natürlich interessant und das ist, muss man natürlich ein bisschen aufpassen, dass man so in diesen what about ism gewissermaßen abdriftet. Letztendlich ist es ja zwar, und da gebe ich dir recht, es ist zwar kein Geld, was dann die Stadt jetzt in die Hand nimmt, um diesen Rutschenberg zu realisieren. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir werden da natürlich auch noch mal im Detail darauf eingehen, was wir da so alles vorhaben mit dem Rutschenberg im Freizeitpark. Aber es werden natürlich auch städtische Ressourcen im Sinne von Arbeit da reingesteckt, um das alles zu planen, zu machen und die Fördermittel zu beantragen und so weiter. Ich sagte ja, das ist ja auch mit Arbeit verbunden und jetzt ist deine Warum macht man das nicht für andere Projekte? Ich finde, wir müssen auch in dem sozialen Bereich schauen, dass wir da uns kümmern. Auf der anderen Seite ist dieser Rutschenberg auch gewissermaßen ein Symbol. Du bist jetzt seit 2022 hier in Rheinbach, du kennst es gar nicht mehr, wie das da. Ich kann dir nur sagen, als Kind, ich bin ja dann, als ich in jungen Jahren hier noch nicht in Rheinbach in der Schule war, dann sind wir trotzdem ganz häufig aus Freisheim die 10 km runtergefahren nach Rheinbach.
00:20:34: Sprecher 2 In den Freizeitpark ganz häufig. Und es gab zwei Highlights. Das eine war dieser Wasserlauf, den es ja auch heute noch gibt und das andere waren die Rutschen. Also es war das absolute Highlight und ich finde, das ist auch ein Symbol dafür. Vielleicht auch ein bisschen wieder in diese Richtung Vollkasko Mentalität. Die wurden ja auch abgebaut, so nach dem Motto, naja, sind vielleicht nicht mehr hundert Prozent sicher und dann muss der TÜV da drüber gucken und dann Sonneneinstrahlung, dann sind die zu heiß und deswegen machen wir sie ab. Und ich finde, da sollten wir wieder zurückgehen. Ich bin ja auch als Pfadfinder immer jemand gewesen, der den Kindern auch mal eine Axt in die Hand gibt und auch mal eine Säge in die Hand gibt und sagt, das ist ein gefährliches Werkzeug, geh damit sorgsam um, aber du bist dafür verantwortlich. Und dass wir halt nicht als Stadt bei allen Sachen, die es so gibt, sagen, wir nehmen die das Risiko ab. Und die Rutschen ist gewissermaßen Symbol dafür. Und letztendlich, ich meine, der Trigger dafür war ja tatsächlich, dass im Frühjahr beim Wahlkampf Freizeitparkfest, was wir dort gefeiert haben, auch ein Mädchen aus Todenfeld zu mir hingegangen ist, die Anni Lou, und gesagt, meine Mama ist früher da runtergerutscht, da müssen wir da rutschen hin.
00:21:45: Sprecher 2 Und letztendlich habe ich die Idee dann aufgegriffen und dann auch gewissermaßen auf die Wahlplakate draufgeschrieben, weil es ein sichtbares und auch einfach zu verstehendes Projekt ist, was gut für alle ist. Es ist ja nicht nur für reiche Kinder gut oder nur für arme Kinder gut, sondern für alle gut. Also man geht in Freizeitpark und kann die Rutsche runterrutschen. Ich finde, das ist auch gut, dass man nicht nur in die eine oder andere Richtung denkt und gegeneinander ausspielt. Und letztendlich habe ich mir dann auch, nachdem wir uns ja auch diese Sparvorgaben jetzt mehr und mehr, also die uns natürlich auch treiben, habe ich dann auch gesagt, wir machen das nur, wenn es die Stadt null kostet. Und ich finde, daraus wird dann etwas Rundes. Es ist was für alle und es kostet nichts in Anführungszeichen. Und dementsprechend ist das auch so mein Herzensprojekt. Okay, vielen Dank nochmal sehr ausführlich, dieses eine Thema. Aber hast du denn ein Herzensprojekt für Rheinbach?
00:22:44: Sprecher 1 Ich persönlich für Rheinbach würde gerne einfach weiter mehr Müll sammeln, aber das ist ein ganz privates Projekt, was ich immer weiter verfolge. Ich persönlich gehe einfach gerne Müll sammeln. Insbesondere weil ja Rheinbach schon so sauber ist. Auf politischer Sicht hätten wir gerne eine komplette Beruhigung der Hauptstraße in Rheinbacher Innenstadt. Da fehlen natürlich noch gewisse Hürden. Das ist uns auch erst jetzt dann bewusst, wo man in diesem ganzen Prozessbereich dann plötzlich drin ist. Aber nichtsdestotrotz sind wir der festen Überzeugung, dass eine Beruhigung und dann auch schließlich Begrünung der Innenstadt allen nur zum Vorteil gereichen würde.
00:23:26: Sprecher 2 Ja, vielleicht zu den Mülltimer finde ich ganz spannend. Hätte man jetzt so einem jährigen jungen Mann gar nicht so, also als auch Haupttreiber sozusagen zugetraut, dass er sagt, ich will aber, dass es sauber ist. Da hat man jetzt eher so das Bild, das ist die ältere Dame oder der ältere Herr, der sich da um die Müllproblematik sorgt, finde ich auch ganz interessant, weil dieses Thema ist auch im Wahlkampf ganz oft angesprochen worden. Du hast es auch schon im Einstieg gesagt, Rheinbach ist eine saubere Stadt und schön, dass du dich da auch gewissermaßen für einsetzt. Ich glaube, ich schaue auch mal in Richtung unseres Teams von der Öffentlichkeitsarbeit. Ich glaube, das ist auch noch mal ein Zeichen dafür, dass wir vielleicht noch mal so eine Müllsammel Aktion machen sollten. Dann würden wir auch wieder die Bürgerinnen und Bürger mit einbeziehen. Das ist vielleicht auch eine gute Sache, was die Beruhigung der Hauptstraße angeht. Ich bin froh, dass wir auch ein Thema auch an der Stelle haben, wo wir auch eine gegenteilige Auffassung haben, zumindest in Teilen. Das Thema ist ja schon Jahrzehnte alt und ich finde, das hat sich so ein bisschen in eine ungünstige Richtung entwickelt, auch gesellschaftlich.
00:24:33: Sprecher 2 Die einen sagen, wir brauchen, wir brauchen eine Fußgängerzone und ich möchte nicht, dass wir über Kompromisse reden. Und die anderen sagen, das mit der Fußgängerzone hat noch nie geklappt und ich möchte nicht, dass wir über Kompromisse reden. Und es ist tatsächlich so gewissermaßen, ich habe das im Wahlkampf erlebt. Entweder man ist für mich oder man ist gegen mich. Und und auch deswegen und auch weil ich es für den Vernünftigsten, für die vernünftigste Lösung halte, finde ich, dass wir in der Hauptstraße in jedem Fall etwas tun müssen. Nur was wir tun müssen, weiß ich noch nicht. Und deswegen müssen wir es ausprobieren. Und ich werde auch weiterhin auch im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans, der dann auch im Frühjahr vorgelegt wird, die Hauptstraße ganz bewusst angehen. Und wenn wir erst mal die Grabenstraße, Döhrstrasse zweispurig gemacht haben, dann haben wir alle Möglichkeiten in der Hauptstraße. Wenn wir dann langsam anfangen, vielleicht mal was probieren, vielleicht auch mal nur Anlegerverkehr zulassen, temporär am Wochenende und das dann ein Jahr lang ausprobieren, dann haben wir den ersten Schritt gemacht und können dann sehen, wie fühlt sich das an, wie entwickeln sich die Umsätze und ist das eine gute Idee, mehr zu beruhigen oder ist es eine gute Idee, weniger zu beruhigen.
00:25:42: Sprecher 1 Also wir sind immer ein Freund von evidenzbasierter und pragmatischer Politik. Von daher etwas erstmal auszuprobieren, um zu gucken, ob es wirklich funktioniert, ob es wirklich so viel bringt, wie man denkt. Das ist auf jeden Fall der richtige Ansatz. Manchmal muss man aber auch ein bisschen mutig sein.
00:25:56: Sprecher 2 Sehr gut, das nehme ich mir auf jeden Fall mal mit. Ja, danke Tobias. Und dann würde ich sagen, das war ja schon ein tolles Schlusswort. Manchmal muss man auch ein bisschen mutig sein. Wir sind mutig, weil wir diesen Podcast heute hier zusammen gemacht haben und auch damit neue Wege beschreiten. Danke, dass du dabei warst und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit im Rat.
00:26:16: Sprecher 1 Ich bedanke mich auch. Wir werden uns ja schon bald wiedersehen.
00:26:18: Sprecher 2 Dankeschön.
00:26:24: Sprecher 1 Das war reingehört, der Podcast der Stadt Rheinbach. Seien Sie gespannt auf die nächsten Folgen.
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